Mittwoch, 7. November 2012

Las Palmas, 7. November 2012

Das Tief über den Kanaren hat uns kräftigen Südwestwind gebracht, was mit ordentlicher Brandung an den Küsten und entsprechendem Schwell am Steg verbunden war. Außerdem hat es kräftig geregnet. Die Straßen um den Hafen waren stundenlang überschwemmt. Sand und Geröll zeugten von Sturzbächen an ungeplanten Stellen.



Nach zwei Tagen hat sich das Wetter wieder beruhigt und wir konnten an die Weiterfahrt denken.
Vorher haben wir einen Fahrradausflug nach La Playita gemacht, einem Ort etwas nördlich von Gran Tarajal.


Am letzten Freitag schließlich sind wir nach Südwesten aufgebrochen. Geplant war eine Übernachtung in Morro Jable an der Südspitze von Fuerteventura, um die Distanz für die Überfahrt nach Gran Canaria auf 55 sm zu verkürzen. Da für mindestens fünf weitere Tage kein nennenswerter Wind vorhergesagt war, haben wir in kauf genommen die gesamte Strecke motoren zu müssen, was auch so eintrat. Dafür hatten wir ruhiges Wetter und eine wunderschöne glatte See.
Vor der Küste Fuerteventuras haben wir viele Fliegende Fische gesehen, die rechts und links vor unserem harmlosen Schiff flüchteten.
Dabei springen sie flach aus dem Wasser und beschleunigen mit der noch eingetauchten Schwanzflosse um dann etwa 20 Meter weit mit ihren langen Seitenflossen zu segeln. Werden sie langsamer, tauchen sie die Schwanzflosse wieder ins Wasser und geben noch mal Gas. Damit kommen sie locker 50 Meter weit, um dann sichtlich erschöpft zurück ins Wasser zu plumpsen.
Gegen Mittag sahen wir links von uns in etwa 50 Meter Entfernung einen dunklen Rücken mit einer Finne darauf. Das Tier, wir hielten es zunächst für einen Delfin, lag ruhig auf der Stelle. Plötzlich verlängerte sich der Rücken um ein langes Stück nach vorne und es erschien ein Höcker, aus dem der Wal (es war nun offensichtlich einer) zischend ausatmete. Nachdem er einige weitere Male geatmet hatte, sank er geräuschlos ab und verschwand in die Tiefe. Unser zugegebenermaßen emotionalisierte Eindruck war, dass nur der sichtbare Rücken so lang wie unser Schiff war.


Der Motor tuckerte inzwischen ausgekuppelt im Leerlauf und wir waren wirklich bewegt. Natürlich haben wir versucht Fotos zu machen, konnten aber wegen der ganzen Situation (der Wal war wirklich nah) und der Sonne auf dem Display nichts Vernünftiges zustande bringen.
Vor dem Hafen von Morro Jable haben wir überlegt weiter zu fahren und  uns ausgerechnet, dass wir dann um Mitternacht in Las Palmas ankommen würden. Also haben wir uns einen Kaffee gekocht und sind einfach am Hafen vorbeigefahren.
Am späteren Nachmittag beobachteten wir etwas, das sich in einiger Entfernung im Wasser bewegte. Ein großer Fisch? Wir haben den Kurs geändert und konnten zwei große Schildkröten beobachten, die sich eng umkreisten. Eine drehte sich auf den Rücken und ruderte dabei mit einem Bein in der Luft. Wir beschlossen, die beiden in ruhe zu lassen.
Weiter ging es bei ruhigem Wetter und leichter Dünung in die Abenddämmerung hinein auf geradem Weg nach Las Palmas, einem Weg den auch die Fähren auf dieser Strecke ausgewählt hatten. Drei mal kamen die schnellen Katamarane uns genau entgegen oder von hinten auf, um uns dann aber doch freundlicherweise mit größerem Abstand zu passieren.


Ansonsten war es eine angenehme Fahrt, später durch die laue Nacht. Etwa 25 bis 30 Meilen vor Gran Canaria stiegen die Lichter der Orte langsam aus dem Meer auf und wurden immer mehr, je näher wir kamen. Es funkelte und blinkte wie ein riesiger Goldschatz der sich langsam immer höher vor uns auftürmte. Sehr schön.


Später suchten wir uns den Weg zwischen ankernden Frachtschiffen hindurch und an hell erleuchteten Bohrinseln vorbei bis in den Yachthafen, an dem wir kurz nach Mitternacht festmachten.


Seit sechs Tagen sind wir nun in dieser Großstadt, umgeben von Hochhäusern und viel Verkehr. Wäsche waschen, Friseur, Tapas essen und immer wieder einkaufen. 


Außerdem hat ein Mechaniker unseren Motor zerlegt und die Einspritzpumpe entnommen. Das alte Problem mit dem Diesel im Motoröl ist wieder verstärkt aufgetreten. Nun hoffen wir, dass die nötigen Ersatzteile auch tatsächlich zu bekommen sind und wir bald wieder reisebereit sind. 
Ein hilfsbereiter deutscher Radioamateur der „alten Garde“, der seit 30 Jahren hier lebt, hat uns die entsprechenden Werkstätten genannt und uns auch persönlich hingebracht. 


Gestern Abend waren die befreundeten Crews von ELENA und MARLENA bei uns an Bord. Alle hatten leckeres zu Essen beigesteuert und wir haben einige Flaschen geleert.


Obwohl wir uns vielleicht noch auf Tenerife oder Gomera treffen werden rückt der Abschied näher. Alle fahren in die Karibik, über Cabo Verde oder direkt.
Heute sind wir darüber etwas ins Grübeln gekommen.
Wir bleiben aber bei unserer Planung und werden nach wie vor in San Sebastian bis ins kommende Frühjahr bleiben (Stand heute).



Sonntag, 28. Oktober 2012

Gran Tarajal, 28. Oktober 2012

In den letzten Wochen haben die Segelanteile stark abgenommen und die Liegezeiten im Hafen sind deutlich angewachsen. Entsprechend gibt es nicht mehr so viele spektakuläre Ereignisse, über die es zu berichten lohnt. Die Tage vergehen schnell, meistens mit alltäglichen Besorgungen und kleinen Dingen, die geregelt werden müssen. Mehrmahls am Tag kommen befreundete Segler vorbei um etwas zu erfragen oder für einen einfachen Klönschnack. Oder wir besuchen jemanden. Das ist immer sehr nett, aber man schafft einfach wenig. Vorgestern haben wir das Schiff umgelegt, gestern haben wir einen Ausflug gemacht und heute wollen wir duschen. Das geht hier nur auf dem Schiff und das Cockpit muss zur Dusche umgebaut werden. Unter das Schiff tauchen und den Propeller von Bewuchs befreien war auch wieder nötig. Mit solchen Aktionen sind die Tage reichlich gefüllt.

Am 18. Oktober haben wir die Marina Rubicon verlassen und sind an der Isla de Lobos vorbei nach Puerto del Rosario gesegelt. 


Die kleine verschlafene Hauptstadt von Fuerteventura bietet keine Anlegemöglichkeiten für Segelboote. Wir konnten aber an einer geschützten Ecke des Hafens unseren Anker werfen und die Nacht dort verbringen. Am nächsten Morgen staunten wir nicht schlecht, als die große AIDASOL rückwärts an die kleine Pier anlegte und die Passagiere auf den Balkonen in weißen Bademänteln auf uns herunter schauten.


Nach dem Frühstück gingen wir Anker auf, um an der kargen Küste Fuerteventuras nach Gran Tarajal zu segeln, einem kleinen Städtchen an der Ostküste, das einen großen Hafen mit relativ vielen Liegeplätzen für Segelyachten bietet. Der staatliche Hafen hat günstige Liegegebühren und der Ort ist sehr angenehm. Normales kanarische Leben, kaum Tourismus, eine Uferpromenade an der sich das gesellschaftliche Leben abspielt und gute Geschäfte für die tägliche Versorgung. 


Diese Kombination sorgt dafür, dass der Hafen beliebt bei Wanderseglern ist. Also trifft man sie alle: hauptsächlich Franzosen, Engländer, Schweden, Holländer und Deutsche. Einige davon kennen wir näher, viele haben wir schon irgendwo gesehen.


Zweimal haben wir uns mit Seglerfreunden ein Mietauto geteilt und sind über die Insel gefahren. Alles ist sehr karg. In manchen abgelegenen Tälern sieht man die Reste alter landwirtschaftlicher Nutzung, die früher wohl möglich war, wenn auch unter schweren Bedingungen.


Heute wird das teure Wasser offenbar lieber für Touristenressorts oder Golfplätze eingesetzt. 


Diese sind aber glücklicherweise an bestimmten Punkten konzentriert, so dass die Insel insgesamt einen ziemlich beschaulichen Eindruck macht. Die Berge sind nicht so schroff wie auf Lanzarote, aber durch ihre Weitläufigkeit und den unterschiedlichen Pastelltönen schön anzusehen. 


Die Ostseite bietet sich teilweise aber auch nur als endlose steinige und staubige Ödnis.
An der Westseite gibt es Steilküsten und Strände mit toller Brandung, die fest in der Hand der Wellenreiter sind, meist recht kernige Typen. 


Das Wettersystem im Nordatlantik scheint in diesem Jahr etwas gestört zu sein. Erst der Orkan Nadine, der über Wochen mal hier und mal dahin zog. Und auch jetzt kommen immer wieder Tiefdruckgebiete weit in den Süden und sorgen für unpassende Windrichtungen. In der kommenden Woche soll es starke Südwestwinde geben, die wir hier erstmal abwarten wollen.
Dann geht es weiter nach Gran Canaria und Tenerife, beides wieder etwas längere Strecken. 



Mittwoch, 17. Oktober 2012

Marina Rubicon (Lanzarote), 17. Oktober 2012

Nach über drei Wochen auf der sandigen und wilden La Graciosa ist dieser Hafen auf Lanzarote ein kleiner Kulturschock. Der Ort besteht aus Restaurants und Boutiquen die etwas wie Filmkulissen anmuten, umgeben von Hotels und Apartmentanlagen jeder Preislage. In der Mitte des Ganzen liegt der Yachthafen Rubicon. Alles mit viel Aufwand in die steinige Küste gesetzt. Im wahrsten Sinne ein Kunstwerk. 



Playa Blanca, der ursprüngliche Ort am andern Ende der Bucht ist inmitten unzähliger Souvenir-Shops und Gaststätten kaum auszumachen.
Trotzdem genießen wir die Annehmlichkeiten der modernen Marina: schöne saubere und warme Duschen, Strom am Steg, Waschmaschinen, Internet und keine entsanden der Füße vor betreten des Schiffes.


Die Zeit auf Graciosa ist wie im Fluge vergangen. Die gemeinsamen Aktionen, der tägliche Kinderbesuch, die gemeinsamen Mahlzeiten hielten uns immer auf Trab. Nach so vielen Tagen kennt man sich aus, Einkaufen z.B. wird zur Normalität, im Internetcafé wird man gegrüßt und auch der Hafenpolizist tippt freundlich an die Mütze.


Die Schwimmveranstaltung haben wir von der Hafenmole verfolgt. Die Zelte sind wieder abgebaut und die ca. 500 Schwimmer und ihre Gäste haben sich samt Hubschrauber und Motorbooten wieder verzogen.
Ein besonderes Ereignis war eine Einladung zum Paellaessen mit anschließendem Kanarischem Musikabend, organisiert durch den Vermieter der Ferienwohnung. Zunächst gab es eine deftige klassische und sehr wohlschmeckende Paella, mit allen typischen Zutaten. 


Dazu Wein und Rum. Eine Runde von Kanarischen Herren hatte das Kochen übernommen und sich später hauptsächlich um den Rum und die Musik gekümmert, mit sehr unterhaltsamem Ergebnis. Je später der Abend, umso größer die Inbrunst mit der gesungen wurde.


Am letzten Samstag kam schließlich die Stunde des Abschieds von der Familie. Lange wurde auf der Fähre und der Mole gewunken, bis keiner mehr zu erkennen war.
Die Überfahrt von La Graciosa führte uns um den Westen von Lanzarote, die rauere Wetterseite der Insel. Nach der langen Segelabstinenz mussten wir uns erst wieder an die Schiffsbewegungen gewöhnen, die bei dem bestehenden Seegang etwas heftiger waren. Die Brandung schoss in sichtweite an der schroffen Lavaküste empor. Im Hintergrund die Berglandschaft und die Lavafelder, die sich wie schwarze Gletscher zum Meer ergießen. 


Schließlich ging es in Sichtweite von Fuerteventura um die Südwestspitze von Lanzerote herum nach Playa Blanca bzw. in die Marina Rubicon.
Dabei konnten wir schon einen Blick auf unsere nächsten Ziele werfen, die Isla de Lobos und eben Fuerteventura.
Gestern aber haben wir Lanzarote im Mietauto erkundet. Zunächst ging es natürlich in den Naturpark Timanfaya. Dort haben wir, wie fast alle Lanzarote-Besucher, ein Rundfahrt mit dem Bus durch die spektakulären vulkanischen Formationen unternommen. Die heftigen Ausbrüche vor über 150 Jahren haben dort wirklich eine besondere Landschaft hinterlassen.


Danach waren wir in Arrecife, wo wir einen Großeinkauf bei (wir geben es zu) Lidl gemacht haben. Danach waren noch im nahe gelegenen DISA-Werk, wo unsere Gasflasche freundlicherweise aufgefüllt wurde.
Abends ging es wieder zurück aufs Schiff, nicht ohne vorher in einem normalen Supermarkt für das Abendessen einzukaufen.
Lanzerote werden wir als landschaftlich sehr schöne Insel, punktuell durchsetzt mit ordentlichen Ferienressorts, in Erinnerung bleiben.
Und alles perfekt geharkt.



Freitag, 5. Oktober 2012

La Graciosa, 5. Oktober 2012

Seit zwei Wochen liegen wir im Hafen Caleta del Cebo oder La Sociedad, wie der Ort wohl offiziell heißt. Gut, dass wir rechzeitig einen Liegeplatz bei der Hafenbehörde in Gran Canaria reserviert haben. Täglich werden Segler abgewiesen: todo completo heißt es dann. 



Die Ankerbucht an der Playa Francesa ist mit 32 Booten auch gut belegt. Andere Ankermöglichkeiten sind für Segler gesperrt: Naturschutzgebiet.


Inzwischen ist auch die Familie eingetroffen. Wenn wir nicht am Strand oder sonst wie unterwegs sind, turnen die Kinder an Bord herum, rudern Schlauchboot, spielen unter Deck, bekommen etwas vorgelesen, ganz nach Wunsch, Alter oder Erschöpfungsgrad. Abends muss es für sieben Personen Essen geben, im Apartamento, an Bord oder in einem der Restaurants. 


Die Tage vergehen schnell.
Letzten Dienstag hat uns der Vermieter der Wohnung in seinem Landrover um die Insel gefahren und viel über die Lebensbedingungen und die Veränderungen in den letzten Jahren auf Graciosa erzählt. Mittags hat er uns für eine Badepause am Strand von Pedro Barba abgesetzt und später dort wieder abgeholt.


Gestern haben Mark und Tom den ehemaligen Vulkan Montana Amarilla im Süden der Insel erwandert und die tolle Aussicht von oben bewundert. Trotz der nur 165 m eine schweißtreibende Angelegenheit.


Bis auf Freitag und Samstag herrscht hier nachts völlige Ruhe und der aktuelle Vollmond taucht den unbeleuchteten Hafen in blasses Licht. An den Wochenenden hingegen kommen viele Besucher hinzu und die Kneipen an der Wasserfront unterhalten ihre Gäste mit Musik bis zum Morgengrauen. Heute ist Freitag und Ohropax liegt griffbereit.
Diesmal wird es wohl besonders voll. Ein Schwimmwettbewerb steht auf dem Programm. Zahllose Schwimmer überqueren dann den Kanal El Rio zwischen Lanzarote und La Graciosa.
Zur Zeit wird drüben ein Zeltdorf aufgebaut, dass ahnen läst was auf uns zukommt.


Ab Sonntagabend wird es hoffentlich wieder ruhig, und die Einheimischen, die abends vor ihren Häusern sitzen und schwatzen, haben ihren Ort wieder weitgehend für sich.



Sonntag, 23. September 2012

La Graciosa, 23. September 2012


Das Orkantief „Nadine“ hat dafür gesorgt, dass wir früher als geplant Madeira verlassen haben und zu den Kanaren gesegelt sind. Beim täglichen Blick auf die Wetterkarte im Internet zeigte sich am Montag gänzlich unerwartet ein im Zentrum lila gefärbtes Auge, das sich genau in unsere Richtung verlagerte. Lila steht für Winde über 55 kn, die aus Südwest auf die Häfen von Madeira treffen sollten. Schon in der Nacht hatten wir zwar kaum Wind, aber stärkeren Schwell im Hafen, der das Schiff unangenehm in die Leinen einrucken ließ. Am nächsten Morgen brach Hektik unter den Seglern aus. Es hieß, der Hafen sei bei solchen Bedingungen nicht sicher und es wurde über Schreckensbilder wie reißende Leinen, aufschwimmende Stege usw. gemutmaßt.
Also folgte allgemeine Aufbruchstimmung, die auch uns erfasste. Für die kommenden drei Tage waren noch ruhige Bedingungen vorhergesagt. Alternative 1, unserer ursprünglicher Plan, sah die Überfahrt nach Quinta do Lorde auf der Insel Madeira vor, von wo aus wir nach einigen Tagen zu den Kanaren aufbrechen wollten. Nachteil: wir könnten eingeweht bleiben und nicht rechzeitig zum Familientreffen nach Graciosa kommen.
Also Alternative 2: direkt zu den Kanaren und dort eine Woche früher als geplant eintreffen. Außerdem nicht die Insel Madeira besuchen und kein Auffüllen unserer Gasflasche, was dort wohl möglich gewesen wäre.
Nach weiteren zwei Stunden und vielen Beratungen unter den Seglern stand fest, dass wir nach Graciosa aufbrechen. Also hieß es Aufräumen, Wasser bunkern und Rechnung bezahlen. Am frühen Nachmittag hatten wir, wie die meisten anderen Segler auch, den Hafen von Porto Santo verlassen. 
Es folgten zwei ruhige Tage auf dem Meer, mit schwachen Winden aus Nord bis Nordost. Der Wind reichte nicht aus, um uns mit annehmbarer Geschwindigkeit segeln zu lassen, sodass wir den Motor ständig langsam mitlaufen lassen mussten. Das war störend. Schön war die gemächliche Berg- und Talfahrt über eine hohe und lang gestreckte Dünung, die uns wie im Tal zwischen Bergen oder hoch auf dem Rücken einer Woge mit weitem Blick fahren ließ.
Mit Hilfe eines Bodenbretts aus dem Beiboot hatten wir uns eine bequeme Liegefläche vor dem Niedergang geschaffen, wo wir während der Wache in der Nacht dösen konnten. Am zweiten Tag ließ der Wind weiter nach und wir konnten am aufgebauten Cockpittisch essen.


Keine Seekrankheit trübte das Wohlbefinden, nur die Müdigkeit wegen zu kurzer Schlafphasen ließ uns etwas durchhängen. Unser Wachsystem kann wohl noch verbessert werden.
Eine schule Delfine hat uns einige Zeit begleitet, immer wieder ein schönes Ereignis. Ein Fliegender Fisch ist auf unserem Deck verendet und ein großer Fleck schwarzer Brühe an der Seite zeugt wohl von einem fliegenden Tintenfisch.


Nach zwei Nächten tauchten am Morgen die Berge von Lanzarote und den vorgelagerten Inseln auf. 


Gegen Mittag konnten wir La Graciosa ausmachen und um 15:00 Uhr liefen wir in den Hafen vor dem Ort Caleta del Cebo ein. Eine Ansammlung von flachen weißgetünchten Häusern mit einigen Palmen dazwischen, vor den Vulkankegeln einer ansonsten völlig kahlen Insel.
Der Ort hat einen ganz eigenen Charme, mit den ausschließlich aus Sand bestehenden Wegen und breiten Strassen und den vereinzelten Landrover, die als Taxis oder für Safaritouren unterwegs sind. Ansonsten ein reiner Fußgängerort. 


Am Hafen einige Restaurants und Läden, die den durchaus vorhandenen Tourismus aus Lanzarote bedienen. Außerhalb des Ortes nur Pisten oder knöcheltiefe Sandwege, die man nicht zur Mittagszeit, wie wir es versucht haben, erwandern sollte. 2,5 Km südlich des Hafens liegt die Playa Francesa, eine einsame Bucht in der Segelboote ankern können.


Damit haben wir unser Ziel, die Kanarischen Inseln, erreicht. So ganz fassen können wir es selbst noch nicht.
Die kommenden drei Wochen werden wir hier auf Graciosa bleiben, die Insel erkunden und den Familienbesuch genießen.
Dann geht es irgendwann weiter nach Lanzarote und Fuerteventura.



Samstag, 15. September 2012

Porto Santo, 15. September 2012


Gestern begann der Morgen stark bewölkt. Nach der kurzen Dämmerung  drangen die ersten Sonnenstrahlen kurz nach acht fächerartig durch die Wolkenlücken. 
Noch 40 sm bis Porto Santo. Nach der dritten Nacht auf See freuten wir uns auf den nahenden Hafen. Um 9:00 Uhr konnten wir die hohen Berge der Insel im Dunst erkennen.


Es war aber schon Nachmittag, als wir schließlich die kleine Insel Ilha de Cima mit dem Leuchtturm rundeten und in die Bucht und den Hafen von Porto Santo fuhren. Eine grandiose Landschaft, die wir nicht erwartet hatten. Ein weiter Sandstrand, umschlossen von hohen schroffen Bergen, alles sehr karg. 


Der Ort Porto Santo in der Mitte der Bucht, mit einer Anlegebrücke und viel Grün zwischen den Häusern.
Letzten Dienstag um 10:00 Uhr haben wir Lagos verlassen, nachdem wir am Tankstellenponton unseren Dieselvorrat aufgefüllt hatten. Vor uns lagen die 450 sm bis Madeira bzw. Porto Santo, der kleineren Nachbarinsel. Der Wetterbericht hatte eine Überfahrt mit mäßigen Winden vorhergesagt (12 bis 17 kn aus NW bis N) mit nur schwachem Wind am letzten Tag der Reise. Gute Bedingungen also für Segler mit schwachen Nerven. Trotzdem waren wir angespannt. Draußen haben wir noch auf die „Pura Vida“ gewartet, die etwas später endlich auch aus der Flusseinfahrt  kam.
Erst ging es bei völliger Windstille an der Küste entlang Richtung Ponta de Sagres. Dort, an der südwestlichten Spitze Portugals setzte der vorhergesagte Wind ohne Übergang ein. Wir setzten die Segel und die Fahrt ging los. Erst kreuzten wir problemlos das weitläufige Verkehrstrennungsgebiet, das die Schifffahrt zwischen der Strasse von Gibraltar und Nordeuropa regelt. Große Containerschiffe und Autotransporter befuhren den vorgeschriebenen Weg mit großem Abstand, so dass wir unseren Kurs nach Südwest nicht zu korrigieren brauchten.
Es war ein sehr schöner Segeltag, der Windpilot übernahm zuverlässig das Steuern. So, dachten wir, kann es ewig weitergehen. Abends, in der kurzen Dämmerung, erinnerten uns einige etwas stärkere Böen daran, für die Nacht ein Reff in das Großsegel zu binden. 


Um halbneun war es dunkel und ein großartiger Sternenhimmel breitete sich über uns aus. Da fast Neumond war, kam die dünne Sichel erst um 5:00 Uhr über den Horizont.
Für die erste Nacht hatten wir uns einen Zwei-Stunden Rhythmus vorgenommen. Abwechselnd saßen wir im Cockpit und beobachteten ab und zu Kurs, Windrichtung und Geschwindigkeit, blickten von Zeit zu Zeit über den Horizont und ließen ansonsten die Gedanken schweifen. Viel gab es nicht zu tun.
Oder wir lagen während dieser Zeit auf der Salonkoje und versuchten zu schlafen, was in dieser ersten Nacht kaum gelang.
Entsprechend müde waren wir am ersten Morgen auf See. Der Wind hatte aufgefrischt, die Wellen waren kabbelig und das Leben an Bord ungemütlicher. Die Vorstellung, noch weitere drei Tage aushalten zu müssen, etwas bedrückend. Wir überlegten, was ein Transport unserer Santos als Decklast auf einem Frachter zurück nach Europa wohl kosten würde.


Als die Sonne höher stieg, stieg auch wieder das Wohlbefinden und wir freuten uns darüber, schon mehr als 24 Stunden unverändert nach Südwest zu segeln ohne kaum in die Segelstellung oder das Ruder eingreifen zu müssen. So verging der Zweite Tag und die folgende Nacht, in der wir unsere Schlafzeiten besser nutzen konnten. Trotzdem war die Nachtwache lang und es war vor allem gegen Morgen schwer die Wachzeit ohne ständiges Einnicken zu überstehen.
Gegessen haben wir wenig, vor Allem Müsli oder Yoghurt mit frischen Früchten und ab und zu ein Brot. Am Abend gab es etwas Warmes.
Der dritte Tag verlief ähnlich, wobei der Wind, wie vorhergesagt, gegen Morgen soweit nachließ, dass wir den Motor zur Hilfe nehmen mussten.
Abgesehen vom ersten Tag, an dem wir Besuch von einer Gruppe Delfine hatten, gab es während der Fahrt wenig zu sehen, außer Himmel und Wasser und auch sonst wenig Ereignisse. Diese Elemente zeigten sich aber auf schönste Weise, der Himmel meist klar oder mit unvorstellbar vielen Sternen, das Wasser von einem unglaublichen Blau.


Meist saßen wir im Cockpit oder lagen auf der Koje und ließen die Zeit vergehen. Insgesamt war es eine angenehme Überfahrt. Wir fühlten uns immer sicher und auch körperlich ging es uns wesentlich besser als während der Überquerung der Biskaya.
Zweimal am Tag hatten wir Kontakt zu unseren Amateurfunk-Seelotsen, die zuverlässig in Deutschland an ihren Funkgeräten saßen, unsere Position verfolgten und uns mit ausführlichen Wetterinformationen versorgten. Dabei hatten wir auch Funkkontakt zu einem anderen Segler auf dem Weg hierher, den wir inzwischen auch persönlich kennen gelernt haben.
Hier im Hafen liegen heute fünf Deutsche Schiffe, vier davon mit dem Trans-Ocean-Wimpel in der Saling. Zum ersten Mal entwickelt sich eine kleine Gemeinde von Langzeitseglern, die wir schon viel früher erwartet hatten. Alles Paare in unserem Alter oder etwas jünger, mit denen man sich durch die gemeinsame Situation schnell verbunden fühlt.


Eine Woche wollen wir hier bleiben und dann die nächste Strecke bis zu den Kanaren angehen, wo auf Graciosa die Familie mit den heiß ersehnten Enkeln kommt.



Donnerstag, 6. September 2012

Ilha da Culatra, 6. September 2012


Seit drei Tagen ankern wir wieder bei der Insel Culatra, in der Lagune von Faro und Olhao. Die Lagune ist weitläufig, am westlichen Ende sehen wir die Skyline von Faro und die Ferienflieger, die regelmäßig aufsteigen oder landen. 


Nordöstlich von uns liegt das kleine Städtchen Olhao, wo wir vorgestern zum Einkaufen und beim Friseur (Tom) waren.
Bei Niedrigwasser fallen große Flächen von sandigem Watt trocken. Die Muschelzüchter fahren dann zu ihren abgesteckten Claims und arbeiten dort, bis das Hochwasser wieder alles in eine große Seenlandschaft verwandelt. 


Die Insel Culatra besteht aus einem einige Kilometer langen, flachen Dünenstreifen, und schützt in diesem Teil die Lagune vom offenen Atlantik.
Darauf die Ortschaft Culatra, einer Ansammlung von flachen Häuschen, zwei Kneipen, einem Mini-Mercado und einem von kleineren Fischerbooten voll gestopften Hafen. Von einigen aus Betonplatten bestehenden Fußwegen abgesehen, versinkt alles im Sand. 


Einige uralte Traktoren sichern die Versorgung und bringen z.B. das Bier vom Anleger in die Kneipen.
Eine Fähre fährt 5-mal am Tag nach Olhao und bringt die Badegäste vom Festland, die dann voll bepackt zum Strand auf der Außenseite stapfen.
Vor dem Hafen ankern ca. 30 Segelboote aus den üblichen nordeuropäischen Ländern, ein Portugiese ist auch dabei.
In der Rushhour morgens und abends rasen alle paar Minuten übermotorisierte Fischerboote oder Wassertaxis mitten durch das Ankerfeld auf dem Weg nach Olhao oder zurück und immer dicht an uns vorbei. Irgendwie liegen wir in deren Einflugschneise.
Der Ort und die Insel strahlen aber trotzdem Ruhe und Abgeschiedenheit aus. Sehr schön. Gestern waren wir baden, wegen den Wellen und der Strömung eher ein Plantschen im angenehm frischen Atlantik.


Davor waren wir einige Tage in Ayamonte, der Spanischen Grenzstadt am Fluss Guadiana. Dort hat es uns ausnehmend gut gefallen. Spanische Städtchen haben ein lebendige Atmosphäre und unterscheiden sich deutlich von der etwas melancholischen Grundstimmung Portugals, auch wenn das sehr nach einem Klischee klingt. Vor allem abends, wenn die Familien die Straßen und Plätze bevölkern. Bis Mitternacht sind sie unterwegs, vom Säugling bis zur Greisin. Wann schlafen die Kinder? Müssen sie am nächsten Tag nicht in die Schule?


Baden konnten wir da nicht so gut. Das Wasser war etwas trübe und den Riesenquallen wollten wir auch nicht begegnen.


Dort haben wir ein Deutsches Paar mit ihrer „Pura Vida“ kennen gelernt. Es war mal wieder schön, bis spät in die Nacht im Cockpit zu sitzen und zu klönen. Wie wir, wollen auch sie nach Madeira. Übermorgen wollen wir uns in Lagos treffen und die Überfahrt gemeinsam angehen.