Sonntag, 16. Juni 2013

Fortaleza, 16. Juni 2013



Drei Tage und zwei Nächte haben wir für die 350 Seemeilen von Jacaré bis hierher gebraucht. Es war Segeln wie im Bilderbuch: konstante 15 bis 18 Knoten Wind aus Ost, sonnige Tage und sternenklare Nächte und durch die ständige Brise eine angenehme und mückenfreie Luft. Allein der Seegang hat uns durchgeschaukelt und Petra war am ersten Tag wieder ordentlich seekrank. Wegen der vielen kleinen Fischerboote die hier hauptsächlich nachts fischen, waren wir außerhalb von Landsicht, am Rand des Festlandsockels in tiefem Gewässer unterwegs. Da fahren allerdings auch viele Frachter an der Brasilianischen Küste entlang und wir mussten nachts dreimal über UKW Kontakt aufnehmen, um das gegenseitige Passieren zu klären. Bei entgegenkommenden oder überholenden Schiffen ist die Seite oft nicht klar. Das hat immer gut funktioniert und die Frachter haben ihren Kurs für uns leicht geändert.
Als das Essen wieder zu schmecken begann haben wir unsere Schleppangel mit dem kleinen Plastiktintenfisch hinter uns hergezogen und siehe da, nach 10 Minuten hatten wir einen kleinen Bonito an der Angel. Der hat dann unser Abendessen bereichert. Am zweiten Tag machten wir noch einen Versuch und kurz darauf wieder ein Bonito, dieses Mal ein bisschen größer. Den haben wir heute Mittag mit Salat verspeist. 


Gestern, am späten Nachmittag haben wir Fortaleza erreicht und hatten es eilig den Hafen und einen Liegeplatz noch vor der Dunkelheit zu finden.
Die Sonne ging schnell unter und in die Marina vor dem Park-Hotel sind wir knapp vor dunkel eingelaufen. Eine verwahrloste Anlage mit wenigen Booten und der einzigen Möglichkeit, unter Bug- oder Heckanker an den Steg heran zu fahren. Der Heckanker lag in der Bilge, tief unter H-Milch und Mineralwasser begraben. Also noch mal in den Vorhafen fahren und den Hauptanker klarieren. Dabei musste ich feststellen, dass die Ankerwinsch völlig blockiert war. Also doch den Heckanker ans Heck befördern, was im Schiff zu völligem Chaos geführt hat. Inzwischen war es dunkel. Beim fieren des Ankers stellte ich fest, dass der Kettenvorlauf nicht an die Trosse angeschlossen war. Gerade habe ich es noch geschafft, die Kette mit dem Anker zu halten. Während Petra noch einen Kringel fuhr wurde auch das erledigt und wir konnten ohne weitere Katastrophen festmachen. 


Völlig geschafft, durchgeschwitzt und verärgert wegen der schlechten Vorbereitung ließen wir uns auf die Cockpit-bank fallen und haben erstmal ein kaltes Bier getrunken. Der verwahrloste Hafen gehört zu einer luxuriösen Hotelanlage wo uns generös erlaubt wurde, die Duschen vom Pool zu nutzen.




Heute sah die Welt schon besser aus. Wir haben das Großsegel geflickt, das Spill der Ankerwinsch entrostet und gefettet und uns auf die lange Odyssee der Behörden begeben. Bundespolizei, Zollbehörde und Hafenamt standen auf dem Programm. Der Taxifahrer hat brav gewartet und nach drei Stunden war es erledigt. Wir haben ausklariert und sollen Brasilien innerhalb der nächsten 48 Stunden verlassen. 


Das werden wir morgen tun und die Überfahrt nach Französisch Guayana antreten. Dort wollen wir zunächst die Inseln de Salud anlaufen, mit der berühmten ehemaligen Strafkolonie. Die Distanz beträgt ca. 1000 sm und wir rechnen mit 8 Tagen Fahrt.

Samstag, 8. Juni 2013

Cabedelo, 8. Juni 2013



Gestern Mittag sind wir nach einer langen Busfahrt von Salvador da Bahia aus wieder an Bord angekommen und wurden gleich von hunderten der inzwischen verhassten winzig kleinen Mückchen überfallen und zerstochen.
Nach den angenehmen Temperaturen im Süden ist es hier wieder sehr warm und drückend und der Fluss riecht faulig. Da es auch hier in den letzten Wochen viel geregnet hat, sind die Mücken sehr aktiv und speziell diese kleine Sorte (etwa 1 mm lang) kommt in Schwärmen vom Mangrovengebiet auf der anderen Seite zu uns herüber.
Abgesehen davon sind wir nach einer sehr schönen Reise aber wieder gerne zuhause angekommen.

Nach einem unspektakulären, drei stündigen Flug sind wir im Morgengrauen durch regenschwere Wolken getaucht und auf dem Flughafen Galeao in Rio gelandet.
Nachdem wir ein Auto gemietet hatten, haben wir uns auf den Weg nach Ipanema gemacht, wo wir uns im Reiseführer eine kleine Pension ausgesucht hatten.
Dazu muss man von Norden kommend leider durch die ganz Stadt. Der Norden von Rio, der in keinem Reiseführer Erwähnung findet, ist sehr ausgedehnt und besteht aus einfachen Wohnquartieren, Gewerbe und Industrie und ist durchzogen von Autobahnzubringern und stinkenden Kanälen. Mitten durch diese Quartiere ist ein Netz von kilometerlangen Hochstrassen aus Beton gebrochen worden. Sie sind an Hässlichkeit kaum zu überbieten und sollen den Verkehrsfluss in die Innenstadt und zu den Arbeitsplätzen erleichtern. Morgens um halb acht steckten wir darin hoffnungslos im Stau. Scharen von Motorradfahrern sausen dabei unter lautstarkem Dauerhupen an den stehenden Autos vorbei, dass einem angst und bange wird. Scharen auch von Verkäufern sind auf der Schnellstrasse zwischen den stehenden Autos unterwegs und bieten Kekse, Wasser und andere Waren an. Es grenzt an ein Wunder, dass es nicht ständig zu Unfällen kommt.




Langsam kommen wir weiter. Der Regen des Morgens hat den Schimmel an den Fassaden der älteren Gebäude noch schwärzer gefärbt und die wuchernde tropische Vegetation ist, wo man sie nicht zurückgedrängt hat und an den steilen Hügeln sehr üppig und dunkelgrün.
Durch einen langen und durch Autoabgase geschwärzten Tunnel wechselten wir in die südlichen Stadtteile von Rio, deren Namen alle kennen. Durch Botafogo und Copacabana gelangten wir endlich nach Ipanema wo wir in dem kleinen Hostel das letzte freie Zimmer ergattern konnten. Schwieriger (und fast so teuer) war es, ein Parkplatz für das Auto zu finden.




  
Ipanema ist einer der angesagten Stadtteile von Rio, in dem nur gut verdienende Menschen leben können. Die großen Bäume an den Strassen bieten Schatten und der Strand ist nicht weit. Gerade am Morgen sind die vielen Hausangestellten, Pförtnern, Hundeausführer, Parkplatzwächter und Belieferer unterwegs. In einer großen und traditionellen Bäckerei/Bar an der nächsten Ecke konnten wir am Tresen leckeren Kaffee und ein süßes Brötchen frühstücken.
Obwohl wir Rio schon früher besucht hatten, waren wir wieder überwältigt von den steilen Bergen mitten in der Stadt und von der tropischen Üppigkeit, die trotz der dichten Bebauung überall zu sehen ist.
Am nächsten Tag sind wir zu unserem eigentlichen Reiseziel aufgebrochen, der ca. 500 km langen Küste zwischen Rio und Santos.


Dieses Gebiet wurde, wegen der schwierigen Topografie, teilweise erst von 40 Jahren durch Strassen erschlossen. Dort sind noch große Flächen von nahezu unberührtem tropischem Urwald erhalten. Die Landschaft ist großartig. Die teilweise über 1000 Meter hohen Berge reichen bis ans Meer. Die Küste besteht aus unzähligen kleinen und größeren Buchten und vorgelagerten Inseln. 


Wo die dichte Vegetation nicht bis ans Wasser reicht wechseln sich Strände aus hellem Sand mit Felsformationen ab. Der Tourismus breitet sich sehr schnell aus aber noch gibt es kleine Orte die den ursprünglichen Charme erhalten haben.


An einem dieser Orte, in Picinguaba, lebt heute Peter, ein alter Kindheits- und Jugendfreund. Abgesehen von einem kurzen Besuch in Hamburg haben wir uns über 40 Jahre nicht gesehen. Heute betreibt er mit seiner Familie ein kleines Restaurant direkt an einem der schönsten Strände der Gegend. 


Mit Blick aufs Meer und einem kühlen Bier in der Hand haben wir uns viel über Heute und Früher unterhalten.



Sie haben uns in großer Gastfreundschaft aufgenommen und uns eine der Gästewohnungen überlassen. Insgesamt waren wir 5 Tage bei ihnen, an einem geradezu paradiesischen Ort. Zu Essen gab es natürlich auch vom Besten. Am letzten Tag hat Peter eine traditionelle Feijoada am Holzofen zubereitet. Über zwei Tage lang hat sie geköchelt und am Samstag wunderbar geschmeckt.


Weiter hat uns die Reise zur Ilhabela geführt, eine landschaftlich sehr schöne der Küste vorgelagerte Insel, auf der wir auf der Hin- und der Rückfahrt jeweils einen Tag waren.


Schließlich sind wir nach Santos gelangt, die Stadt, nach der wir unser Schiff benannt haben.



Diese große Stadt lebt hauptsächlich vom größten Seehafen Brasiliens und von der Schwerindustrie im Hinterland und ist kein großes touristisches Ziel. Ich mochte sie schon in meiner Kindheit gerne und sie war Ausgangshafen meiner Übersiedlung nach Hamburg. Vor 20 Jahren waren wir beide schon einmal hier und haben uns sehr wohl gefühlt.



Außerdem hat Santos eine Strandpromenade, die es fast mit der Copacabana aufnehmen kann. Bei näherem hinsehen merkt man, dass irgendetwas nicht stimmt. Die Hochhäuser dort, teilweise schon in den 40-Jahren gebaut, haben sich bedenklich in den weichen Untergrund gedrückt und zur Seite geneigt. Im Internet konnten wir lesen, dass 68 von ihnen mit bis zu 2 Meter Abweichung von der Senkrechten sichtbar schief stehen. Obwohl die Türen darin alleine zufallen und man Klötze unter das Bett legen muss soll das Leben darin (noch) völlig ungefährlich sein…


Von Santos aus haben wir uns langsam auf den Rückweg nach Rio gemacht, wieder über Ilhabela und Picinguaba. 


Diesmal haben wir uns ein kleines Hotel in der Innenstadt ausgesucht. Leider waren die beiden Tage in Rio ziemlich verregnet. Wir mussten ständig über Pfützen springen und hatten dann doch völlig aufgeweicht Schuhe.
Zu einem unerwarteten Highlight brachte uns Simone, der wir ein vergessenes Handy aus Peters Restaurant mitgebracht hatten. Sie hat uns am letzten Abend in eine Samba-Bar im traditionsreichen alten Stadtteil Lapa eingeladen. Es gab Live-Musik und eine leckere Caipirinha, bevor wir, wieder im strömenden Regen, zurück ins Hotel gegangen sind.
Auf den Rückflug nach Joao Pessoa hatten wir (mal wieder) verzichtet und sind stattdessen mit dem Reisebus nach Salvador da Bahia gefahren.


Damit sind wir recht bequem (viel Fußraum, Bänkchen für die Beine und Sitze, die weit zurückgelehnt werden konnten) durch den landschaftlich schönen Bundesstaat Minas Gerais und Bahia gefahren. Nach 30 Stunden sind wir etwas ermattet in Salvador angekommen. Durch die Schlaglöcher, Bodenwellen und vielen Kurven fühlten wir uns an die Nächte auf See erinnert, wo wir auch nicht viel geschlafen hatten.



In Salvador hatten wir ein Zimmer mitten in der berühmten oberen Altstadt (Pelourinho). Leider hat es wieder viel geregnet. Wir mussten wieder einen Regenschirm kaufen. 



Dabei haben wir festgestellt, dass ein Unterschied zwischen der touristischen Oberstadt und der (ebenfalls alten) Unterstadt der ist, dass der gleiche Schirm oben 10 Reals und in der Unterstadt nur 5 Reals kostet (2 Euro).



Von Salvador aus sind wir wieder mit einem sehr neuen und bequemen Reisebus der Kategorie „Executivo“ in 17 Stunden zurück nach Joao Pessoa gefahren. Leider entsprach der Zustand der Strassen nicht dem Bus. Scheinbar endlos schlichen wir durch Baustellen oder rumpelten über durchlöcherten Straßenbelag. Schließlich, gestern Mittag, waren wir da.












Mittwoch, 22. Mai 2013

Cabedelo, 23. Mai 2013



Es war eine Illusion zu denken, wir könnten etwas „vorschlafen“. In dreieinhalb Stunden, um 1:30 Uhr kommt Taxifahrer Bernardo, um uns zum Flughafen von Joao Pessoa zu fahren. Um 3:38 geht schließlich unser Flug nach Rio de Janeiro. Nachtflugverbot ist hier wohl unbekannt.
Petra hält trotz Mücken und Wärme die Stellung in der Koje und tut so, als könnte sie das Schlafen erzwingen. Ich sitze derweil wieder vor dem Ventilator, das ist ganz angenehm.
Natürlich sind wir voller Erwartungen, wie die nächsten Wochen werden. Bisher haben wir nur einen groben Plan für die Rundreise.
Die letzen beiden Wochen hier waren eher beschaulich. Abgesehen von einem schönen Badeausflug mit Eva und Hans (Katamaran Tangaroa, Österreich) zum Strand Coqueirinho haben wir eigentlich nicht viel gemacht. Wir waren einige Male in der Stadt (Kunsthandwerksmarkt, Reisebüro, Bank, Restaurant) und sind in der näheren Umgebung spazieren gegangen. Meistens aber saßen wir unter unserem Sonnenzelt und haben gelesen oder dem bescheidenen Treiben um uns herum zugesehen. Ab ca. 16:00 Uhr beginnt langsam der Abend, die schönste Zeit am Tag. Später, nach dem Essen, waren wir häufiger bei Eva und Hans  an Bord oder sie waren bei uns und haben eine oder zwei Flaschen Wein geleert.
Wir haben uns auch schon wieder viel mit der weiteren Reiseplanung befasst. In Chaguaramas auf der Insel Trinidad soll das Schiff für einige Tage aus dem Wasser und für den 2. September haben wir Flüge nach Hamburg gebucht. Davor kommt noch Französisch Guayana und Surinam, von dem viele schwärmen. Wir haben noch keine rechte Vorstellung davon und wissen deshalb auch nicht, wie lange wir dort bleiben wollen.
(Wegen schwierigen Internetbedingungen  diesmal ohne Bilder)

Mittwoch, 8. Mai 2013

Jacaré, 8. Mai 2013



Unser ursprüngliches Ziel, mit dem Mietauto in zwei Tagen bis Salvador in Bahia zu kommen haben wir schon am Mittag des ersten Tages aufgegeben. Allein die Fahrt bis Recife hat wesentlich länger gedauert als angenommen. Die Autobahn dorthin ist in weiten Strecken gut ausgebaut, mutiert aber in jeder größeren Ortschaft fast zur Dorfstrasse. Pferdewagen, querende Radfahrer, Bodenwellen, Radarkontrollen und Schlaglöcher behindern das Fortkommen. Besonders anstrengend war die Umgehungsstrecke um Recife. Dichter Verkehr, badewannengroße Löcher, Lastwagen, die mit brachialer Gewalt rechts und links an uns vorbeidonnerten, Regen, Dreck. Danach war uns dringend nach Entspannung zumute und wir strebten zum nächsten Strand. Das war dann ausgerechnet Porto de Galinhas, einem auch für ausländische Touristen bekanntes Ziel. 



Glücklicherweise liegen wir hier zurzeit weit außerhalb der Saison. Wir hatten keine Schwierigkeiten eine bescheidene und freundliche Pousada (B&B) zu finden und auch der wirklich schöne Strand war belebt aber nicht überlaufen. 


Dort haben wir dann bis zur Abenddämmerung direkt am Wasser gesessen, Caipirinha getrunken und etwas gegessen. Spätestens da waren wir uns einig, unsere Ziele für die kommenden Tage wesentlich bescheidener zu setzen.
Die nächste Etappe führte uns nach Maragogí im Staat Alagoas, wieder ein schöner kleinerer Ort am Meer.



Die Strasse dorthin war auch nicht ohne Tücken. Alle paar Kilometer fehlten einige hundert Meter Asphalt und die Fahrbahn bestand stattdessen aus Sand, Schlamm und  ziemlich großen Pfützen. 


Am fünften Abschnitt dieser Art war eine ziemlich große Pfütze. Ein junger Mann, der quasi als Pegel im Wasser stand, winkte uns ermunternd zu, wir könnten ruhig durchfahren. Wir haben darauf verzichtet und sind den ganzen Weg zurück und über eine andere Landstrasse zu unserem Ziel gelangt. 
Der Nordosten Brasiliens ist eine große eher karge Region, in der Trockenheit und Dürre neben den ohnehin schwierigen Lebensbedingungen für  den Großteil der Bevölkerung immer wieder zu Landflucht führen. Der 50 bis 100 Km breite Küstenstreifen dagegen ist fruchtbar und dicht besiedelt. Vom ehemaligen Atlantischen Urwald ist so gut wie nichts übrig geblieben. Das hügelige Land ist fast vollständig von Zuckerrohrpflanzungen bedeckt.


Die kleinen Waldreste (eher Baumgruppen) am Ufer der Flüsse und die Siedlungen geben der Landschaft trotzdem ein abwechslungsreiches Gesicht.  Die Fahrt auf den verkehrsarmen Nebenstrecken war sehr schön. Die Häuser auf dem Land, oft weiß getüncht und umgeben von roter Erde und üppigem Grün, sind malerisch. Flattert noch bunte Wäsche auf der Leine und steht ein gesatteltes Pferd davor (oft zu sehen), wirk es äußerlich wie ein Idyll. 




In den Ortschaften sieht es etwas anders aus. Durch den vielen Regen kämpften die Menschen in den tiefer gelegenen (und eher erschwinglichen) Wohnlagen gerade gegen Schlamm und Wasser vor und in ihren Häusern. Auch die Hanglagen sind gefährlich. An manchen Stellen war das steil abschüssige Erdreich mit Planen gegen Durchweichung geschützt.


Als Fahrer darf man den Blick aber nicht zu lange schweifen lassen. Die tückischen Bodenwellen lauern natürlich besonders bei den Ortschaften, wo man gerne nach links und rechts schaut.
In Maragogí waren wir die einzigen Gäste der Pousada eines Chilenen, der längere Zeit ausgerechnet in Hamburg gelebt hat. 



Er war wohl von unserem Besuch sehr angetan und freute sich sichtlich mit Hamburgern deutsch reden zu können. Zum Frühstück saß er lange bei uns am Tisch und hat viel vom Aufbau seiner Pousada erzählt, aus der er mit viel Eigenarbeit ein wahres Schmuckstück gemacht hat.

Von dort sind wir nach Caruarú gefahren. Das liegt schon im wesentlich trockeneren Hinterland, ca. 150 km westlich von Recife und ist wegen dem dort produzierten Kunsthandwerk bekannt. Nach dem Überqueren der Wetterscheide durchfuhren wir trockenes und mit Kakteen durchsetztes Busch- und Weideland, ein Kontrast zur nahen Küstenregion. Leider war Feiertag und in Caruarú waren alle Rollläden heruntergelassen. In der Mittagshitze machte die Stadt so einen etwas trostlosen Eindruck. Nach einigen Runden durch den Ort haben wir uns deshalb  neu entschieden und sind den ganzen Weg zurück und nach Olinda gefahren.

Diese sehr gut erhaltene Kolonialstilstadt mit den vielen barocken Kirchen liegt sehr schön auf einem Hügel, nur wenig Kilometer von der Millionenstadt Recife entfernt. 




Alles dort ist natürlich sehr auf den Tourismus eingestellt und auch wir wurden am nächsten Morgen von einem sympathischen jungen Mann angesprochen, der uns erzählte, dass er gerade Deutsch lerne, dass er seine Stadt sehr liebe und dass er uns gerne ein Stück begleiten würde. Er wusste einiges über die Stadt zu erzählen und auch die Jahreszahlen der Erbauung der einzelnen Kirchen konnte er ohne Schwierigkeiten nennen. Als wir uns verabschieden wollten und schon überlegten, dass er wohl etwas Geld erwarten würde, nannte er uns einen recht saftigen Preis für seinen Führungsdienst. Wir haben uns dann auf einen etwas niedrigeren Betrag geeinigt.
Nach einer längeren Fahrt entlang der Küste und zur Insel Itamaracá haben wir auf eine weitere Pousada-Nacht verzichtet und sind nach Jacaré zurück an Bord gefahren.

Hier planen wir schon die nächste Reise. Am 23. Mai fliegen wir für 14 Tage nach Rio de Janeiro. Dort wollen wir wieder ein Auto mieten und die Gegend zwischen Rio und Santos bereisen. Diese Region kennen wir bereits von der Reise vor 20 Jahren, finden aber, dass es sich wieder lohnt. Außerdem können wir dort vielleicht Cousin Sascha und Kindheitsfreund Peter antreffen und besuchen.
Danach, also Mitte Juni, wollen wir hier aufbrechen und über Natal und Fortaleza nach Französisch Guayana und Surinam weiterreisen.

Samstag, 27. April 2013

Jacaré bei Cabedelo, 27. April 2013

Gestern Abend kam doch noch Maranhao vorbei um das bestellte Bimini anzubauen. Es passte genau und wird uns auch unterwegs auf See den unbedingt nötigen Schatten spenden. Es war natürlich schon dunkel und wir mussten die Haltepunkte mit der Taschenlampe ausmachen. Euro (auch so ein typischer Name) hat unseren Pinnenpilot mitgenommen um ihn, wie er sagte, wieder zum Leben zu erwecken. Obwohl dieses für uns sehr wichtige Gerät für die Arbeit an Deck gedacht ist, war es während der Regenschauer in den Kalmen komplett voll Wasser gelaufen und hatte daraufhin den Dienst quittiert. Diese elektronischen Importgeräte sind hier in Brasilien kaum zu beschaffen und zudem sehr teuer. Mit der Post schicken geht auch kaum, weil sehr umständlich und mit hohen Importzöllen belegt.


Was war noch? Ach ja: die Toilettenpumpe ausgebaut, gereinigt, mit neuen Ventilklappen versehen und nach drei Versuchen wieder korrekt eingebaut. Die Deckenverkleidung abgebaut und dahinter eine knarrende Holzverstrebung wieder anlaminiert. Den Dieselfilter gereinigt und mit neuem Einsatz bestückt. Dabei festgestellt, dass der Schlauch vom Tank praktisch undurchlässig war. Nach kräftigem Durchpusten war er wieder frei, was ich durch ein mittleres Dieselbad meinerseits feststellen konnte. 


Diese Tätigkeiten sind auf engstem Raum zusammengefaltet zu erledigen, bei 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. Der Schweiß rinnt aus allen Poren und alles was man berührt ist nass und klebrig. Das gilt natürlich auch für alle anderen Tätigkeiten und besonders beim Kochen. Linderung verschafft uns der neu erworbene Großventilator, der buchstäblich Tag und Nacht in Betrieb ist.
Schön sind immer die Abende und die Nacht. Um 17:30 Uhr wir es schnell dunkel und von den etwas entfernten Sonnen-Untergangs-Restaurants dringt gedämpfte Livemusik. Freitags kocht der Marina-Inhaber Fillipe abends für die Crews und man sitzt in internationaler Gemeinschaft auf der Terrasse.

Nachts gibt es fast immer kräftige Schauer, die gegen Morgen wieder abklingen. Das bringt vorübergehend angenehme Abkühlung. Leider muss dann hastig die Luke über unserer Koje geschlossen werden.

Ab Montag haben wir für fünf Tage ein Auto gemietet. Damit wollen wir Richtung Bahia fahren und etwas das Hinterland erkunden. Wahrscheinlich haben wir uns wieder zu viel vorgenommen. Die Entfernungen sind groß und die Strassen schlecht. Vom Fahren bei Nacht wird dringend abgeraten: Fußgänger, Schlaglöcher und die gefürchteten Schwellen zur Tempobegrenzung könnten übersehen werden. Wir werden sehen, wie weit wir kommen.

Uns geht es gut, wir fühlen uns wohl. Die Brasilianer zu denen wir hier etwas Kontakt haben leben einfach aber offensichtlich nicht katastrophal schlecht. Sie sind meist gut gelaunt und freundlich. Oft hören wir, dass Brasilien sich seit Lula sehr gebessert habe. 




Das gilt scheinbar für die Metropolregionen wie hier, mit Bautätigkeit, Gewerbe, Handel, Tourismus etc.  Wir bleiben natürlich die „Exoten“ und auch in 10 Km Entfernung wissen sie, dass wir nur von den Segelbooten in Jacaré kommen können.

Donnerstag, 18. April 2013

Cabedelo, 18. April 2013



Der Rio Paraiba ist ein hier etwa 3 km breiter und von Mangroven gesäumter Fluss, der träge in den Atlantik fließt und im Mündungsgebiet einen sehr guten natürlichen Hafen bildet. 


Am südlichen Ufer, direkt an der Mündung, der kleine Hafenort Cabedelo, mit Schuppen und Kaianlagen für zwei bis drei Seeschiffe. Fünf Meilen weiter liegt eine kleine Werft und einige Stege für Boote. Hier hat der Franzose Phillipe vor einigen Jahren eine kleine Marina aufgebaut. Eine der wenigen in Brasilien, wenn man von den noblen Segelklubs in den Großstädten absieht.  Strom und Wasser am Steg, Internet, saubere Toiletten und eine bescheidene 


Infrastruktur in der näheren Umgebung. Eine Bäckerei, ein kleiner Minimercado (in einer Garage) und ein Fischladen, in dem die örtlichen Fischer ihren Fang verkaufen. Will man mehr, muss man etwa 4 km in der sengenden Sonne zur Verbindungsstrasse nach Joao Pessoa laufen, wo es eine Ansammlung von Geschäften und einen großen Supermarkt gibt, die eigentlich alles nötige bieten. Will man schwer bepackt zurück, nimmt man ein Taxi, ist nicht teuer. Direkt neben dem Steg, am Flussstrand, landen häufig kleine überdacht Holzboote, die einen Fährdienst für Personen zum Ufer an der Nordseite bieten. Am Weg vor den Stegen zieht zweimal pro Tag eine kleine Herde Rinder (Zebu) vorbei. Haben die Leute ihre Pforten nicht geschlossen, müssen die Tiere jedes Mal wieder aus den Vorgärten der kleinen Häuschen vertrieben werden.

 
Heute ziehen häufig Schauer vorbei, das ist angenehm. Wir sehnen den Regen herbei, weil die Hitze wirklich sehr drückend ist. Auch nachts sinken die Temperaturen kaum mal unter 30 °C. Unser kleiner Ventilator ist im Dauerbetrieb.


Ansonsten ist hier alles sehr angenehm und ruhig. Die Leute sind sehr freundlich und Kriminalität scheint hier kein Thema zu sein.
Bei der Bundespolizei, der Finanzbehörde und dem Hafenamt, wo wir heute einklariert haben, waren alle sehr nett und interessiert. Es gab sogar einen Cafézinho (einen kleinen Brasilianischen Kaffee).
Über die Fahr hierher haben wir ja schon geschrieben. Erstaunlich ist, dass kurz nach der Ankunft die Anstrengungen schnell in den Hintergrund treten, als sei alles schon lange her. Wir haben die zehn Tage gut überstanden. Nicht so schön waren die ersten beiden wegen der Seekrankheit und das Gebiet mit den vielen Squalls in den Kalmen.
Der Himmel ist oft sehr schön und bietet viel zu sehen in der eigentlich eintönigen Umgebung. Besonders die Sonnen Auf- und Untergänge sind inmitten der großartigen Wolkenformationen oft spektakulär.
Gebannt haben wir die Äquatorquerung am GPS verfolg. Der Fotoapparat lag bereit um die Null zu dokumentieren, was auch gelungen ist. 



Dann haben uns einen Rumpunsch von den Kapverden gegönnt, der schön gekühlt auch gut geschmeckt hat.


Dieses sehr Rum-haltige Getränk haben wir durch Carlos (Karl-Heinz-TO) aus Palmeira kennen gelernt, der uns ein Gläschen in einer kleinen Bar ausgegeben hatte. Da er schon damals gut gemundet hatte, wollte ich am folgenden Tag eine Flasche für die weitere Reise erwerben. Im kleinen Lebensmittelladen zeigte mir die Frau eine Auswahl mit Ananas, Erdbeere usw. Ich erklärte ihr, dass ich den aus der Bar wollte, honigsüß und doch frisch. Sie lächelte und sagte mir, dass sie diesen Rumpunsch selbst herstellen würde und ob ich eine Flasche erwerben wolle. Das wollte ich. Nun mussten die anderen Kunden etwas warten, wärend sie mir eine Flasche zubereitete. Dazu verwendete sie eine leere Flasche Rotwein, die sie kurz im bereitstehenden Spülwasser reinigte (viele Häuser haben dort noch kein fließend Wasser). Dann holte sie aus dem Kühlschrank eine alte 1,5 l Flasche Cola, die offenbar die Grundmischung aus Rum, Palmhönig und Zitronentückchen enthielt. Andere Zutaten sind uns nicht bekannt. Dann hat sie eine halbe Zitrone in Streifen geschnitten und diese durch die enge Öffnung in die Weinflasche gequetscht. Danach wurde mit Rum aufgefüllt und fertig war der Rumpunsch. Leider ist die Flasche schon fast leer.


Am letzten Tag vor Cabedelo hatten wir sogar einen Angelerfolg. Ein Barracuda musste daran glauben und hat uns sehr wohlschmeckende Filets geliefert.


Auf Fernando de Noronha waren wir drei Tage, eine willkommene Unterbrechung auf einer sehr schönen und grünen Insel. Ein einziges Naturschutzgebiet mit Vögeln und Schildkrötenbesuch am Ankerplatz. Wir haben hunderte von Delfinen gesehen.