Montag, 15. Juli 2013

Überfahrt Surinam - Südliche Karibik

Donnerstag, 18.07. 
Da der Motor leider wieder ausgefallen ist, mussten Tom und Petra nun doch Kurs auf Trinidad nehmen und hoffen, unter Segeln bald dort anzukommen. 

Mittwoch, 17.07., 17:00 Uhr, vierter Tag auf See.
Seit einer halben Stunde können wir die Hügel Tobagos sehen. Es wird aber schon dunkel sein, wenn wir ganz nah an Crown Point vorbei fahren, auf dem Weg nach Grenada, dass noch weitere 75 Meilen dahinter liegt. Dort werden wir wohl morgen Mittag ankommen.
Wir fühlen uns aber schon jetzt, als wären wir bereits da. Die Laune ist wieder deutlich besser. Die letzten beiden Nächte waren anstrengend. Viele Regenschauer mit starken Windböen, dann wieder schwacher Wind und schlagende Segel zerrten an den Nerven. Unter Deck ist es stickig, die Nachtwache draußen fast angenehmer als der Schlaf in der Koje. Dazwischen aber auch wieder längere Phasen mit angenehm ruhigem Segeln.
Unser Ziel ist die Prickly-Bay im Süden Grenadas, wo wir einklarieren möchten. Die Gastlandflagge und die Flagge Q liegen schon bereit.
Als nächstes wünschen wir uns unbedingt eine richtige Dusche.
Aktuelle Position: 10°54 N; 60°28 W.

Mo., 15.07.13, 15:30 Ortszeit
Zur Zeit segeln wir in etwa 200 km Entfernung mit nordwestlichem Kurs an der Küste von Guyana entlang. Es ist recht unbequem. 17 bis 20 kn Wind (5 Bf) aus Nordost bescheren uns eine steile Welle, die unser Schiff abrupt hin und her wirft. Die erhoffte helfende Strömung hat sich bisher auch nicht bemerkbar gemacht. Vielleicht müssen wir noch weiter nach Norden.
Dabei hatten wir gestern Nachmittag und in der letzten Nacht sehr schöne Bedingungen. Klares sonniges Wetter und eine sternenklare Nacht. Seit heute Morgen um 4:00 Uhr kamen aber Wolken und Regen, der Wind wurde schwach, um sich nach einer weiteren Regenfront deutlich zu verstärken. Seitdem harren wir so gut es geht hier aus. Morgen soll es wieder etwas besser werden. Wir hoffen, Donnerstag anzukommen. Entweder auf Grenada oder, falls wir vorher eine Pause brauchen, auf Tobago.
Aktuelle Position: 7°45 N; 56°43 W

Samstag, 13. Juli 2013

Domburg (Surinam), 13. Juli 2013


Am vergangenen Montag bin ich morgens gleich zur Zollbehörde in Kourou um die Ausklarierung zu bekommen. Mit dem Dinghi 45 Minuten lang gegen die träge Strömung bis zum Anleger der Militärpolizei und dann noch ein kleiner Marsch bis zur völlig abgelegenen Behörde. Ein freuendlicher Beamter tippte in unendlicher Langsamkeit alle Daten zum Schiff und zu den Besatzungsmitgliedern in seinen Computer (ein Formular, das genau dem gleicht, dass er schon bei der Einreise ausgefüllt hatte).
Schließlich wurde gute Reise gewünscht und wir konnten los. 


Die ablaufende Tide war schon in vollem Gange, also nichts wie weg.
Als die völlig schlammige Kette und der Anker an Deck verstaut waren ging es in der Strömung Richtung Meer.
Irgendetwas stimmte nicht. Das Schiff nahm keine Fahrt auf. Auch mit Vollgas kamen wir kaum über 4 Knoten hinaus. Uns schwante nichts Gutes und wir beschlossen, bei den nahen Iles de Salut zu ankern und nach dem Propeller zu sehen. Nach dem Schnorcheln war klar: das gesamte Unterwasserschiff und besonders der Propeller waren mit Seepocken geradezu zugewachsen.
Also hieß es mit dem Spachtel an die Arbeit und die Flügel des Propellers so gut es geht frei zu schaben. In dem sehr angenehmen aber wegen der vielen Flussmündungen etwas milchigen Wasser ging es ganz gut. 


Etwas später kamen Silke und Terry von der LIBERTAD (Südafrika) vorbei und boten uns an, mit ihnen an Land zu gehen, was wir gerne angenommen haben. Das war ein Glücksfall, denn wir hatten schon beschlossen das Beiboot an Deck zu lassen und gleich am nächsten Morgen weiter zu fahren. Es wäre eine Schande gewesen. Die drei kleinen Inseln mit der berühmten Teufelsinsel sind unglaublich schön. 



Drei kleine Hügel wie ein tropischer Botanischer Garten und voll mit Affen, Leguanen, bunten Aras und anderem Getier. Dazwischen die teilweise restaurierten Ruinen der alten Gefängnisbauten. Und einer Hotelterrasse mit kühlem Bier und schönem Ausblick.


Am nächsten Morgen also sind wir nach Surinam aufgebrochen, wo wir 30 Stunden später auf die Ansteuerungstonne in der Mündung des Surinam-River zufuhren. Es dauerte aber noch zermürbend lange, durch die ausgedehnten Flachs und bis nach Domburg zu kommen, etwa 10 Seemeilen oberhalb der Hauptstadt Paramaribo.
Dort, in idyllischer Ruhe, liegen wir vor dem Anleger eines kleinen Vorortes, inmitten sieben weiterer Segelboote vor Anker. 



Auf der anderen Seite der unvermeidliche undurchdringliche Urwald, darüber immer wieder schwere Regenwolken. Vom Anleger starten kleine bunte Boote, die als Fähre zu Orten etwas oberhalb dienen.



An Land, chinesische und indische Läden die das nötigste für den Alltag verkaufen. Unter großen Bäumen sitzen Männer beim Bier, abends kommen die Besatzungen der Yachten dazu.
Gestern sind wir mit einem der typischen kleinen Busse nach Paramaribo gefahren, wo wir in der Mittagshitze fast eingegangen wären. 



Viel Verkehr in der kleinen Stadt. Surinam hat insgesamt nur 500-tausend Einwohner und ist dabei halb so groß wie Deutschland.
Auffällig für uns ist die starke Präsenz der Inder und Chinesen. Teilweise wähnten wir uns in Asien (wir waren ja niemals dort). Hinduistische Tempel, Kühe am Straßenrand und Reklameschilder auf Chinesisch. 



Im Radio dudelt Indische Musik. Der ganze Kleinhandel scheint fest in Chinesischer Hand. Unter den hier gesprochenen Sprachen werden auch Javanisch und Taki-Taki aufgeführt. In merkwürdigem Gegensatz dazu die amtliche Beschilderung auf Niederländisch.


Die Menschen sind uns gegenüber freundlich und hilfsbereit. Die Lebensbedingungen scheinen auch für die Einheimische Bevölkerung akzeptabel zu sein. Die Preise sind niedrig. Es wundert nicht, dass viele Yachties länger als geplant hier bleiben.


Wir aber wollen schon Morgen weiter. Wir haben auch gar nicht ein- und ausklariert. (allein dafür hätten wir zwei Tage benötigt).
Für uns geht es also über ca. 500 sm direkt nach Grenada, wo wir Freunde aus Kanarischen Zeiten treffen wollen. 

Sonntag, 7. Juli 2013

Kourou, 7. Juli 2013


5. Juli:
Die zweite Woche in Kourou geht zu ende. Heute waren wir auf dem Markt. Es sind wenig Europäer zu sehen und es ist sehr bunt. Neben dem üblichen Gemüse gibt es unbekannte Wurzeln, Öle und Gewürze. 



Die Preise sind ziemlich hoch. Drei schon etwas angegangene Tomaten zu 2,70€. Praktisch alles wird importiert.
Für drei Tage hatten wir ein Auto gemietet. Damit waren wir zweimal in Cayenne (60 Km östlich) und sind auch sonst etwas in der Gegend umhergefahren. Bis auf einige Rinderfarmen entlang der Strasse besteht das übrige Land scheinbar vollständig aus tropischem Urwald.



Neben der Küsterstrasse gibt es einige Stichstrassen ins nähere Hinterland. 80% von Fr. Guyana ist nur gering besiedelt. Die wenigen Ortschaften in der Mitte und im Süden sind nur über die Flüsse oder mit kleinen Flugzeugen erreichbar.

Der Hauptgrund für unsere Autofahrten waren aber unsere technischen Probleme. Der Motor ist seit unserer Ankunft halb zerlegt und kann nicht gestartet werden. Die Einspritzpumpe liegt inzwischen beim einzigen Fachmann in Cayenne und wir wissen immer noch nicht ob und wann sie repariert werden kann. Eine neue kostet ca. 4.000 €  und ist außerdem nicht lieferbar. Wir hoffen auf eine Reparatur, aber auch dafür werden Ersatzteile benötigt, die nur vielleicht irgendwo aufzutreiben sind. Antworten kommen nur spärlich.
Wir überlegen schon, wie wir einen Außenborder an unserem Heck befestigen könnten. In Trinidad (650 Seemeilen) soll alles machbar sein.
Wegen des fehlenden Motors können wir unsere Batterien nur teilweise laden. Der Wind ist meistens zu schwach für den Windgenerator und das eine Solarpanel reicht trotz guter Leistung nicht aus. Der Kühlschank näherte sich der 20° Marke und trotzdem blinkte die Warnleuchte gelb.
Also musste ein Generator beschafft werden. Nach einigen erfolglosen Versuchen mit chinesischen Billiggeneratoren (erst geliehen, dann gekauft und später zurückgegeben) haben wir uns einen teuren Yamaha-Generator mit 2 KW geleistet. Damit haben wir dieses Problem zunächst gelöst.
Obwohl es uns eigentlich gut geht, wir einen sicheren Ankerplatz haben und auch sonst keinerlei Not leiden, ist die Situation unangenehm. Vor allem die Ungewissheit nagt an den Nerven.

Heute sind mit der MV Emily Grace (USA) die letzten Bekannten Richtung Surinam abgefahren.
Wir müssen uns halt weiterhin in Geduld fassen.
Also lesen wir (trotz Tauschaktionen hat Petra schon wieder alle Bücher durch), machen unsere Rundgänge, gehen alle zwei Tage in den Internetladen und zünden abends die Mückenspirale an. Dann, nach dem Sonnenuntergang, mit gutem Essen und einem Glas Wein, sieht die Welt wieder ganz gut aus.


Neuer Stand (So., 7. Juli):
Gestern Mittag ging dann doch alles recht schnell. Als wir vom Einkaufen zurückkamen wartete Remy schon am Steg. 


Eine Stunde später war die Einspritzpumpe wieder eingebaut und der Motor brummelte in gewohnter Manier. Wir sind zwar noch ein wenig misstrauisch aber Morgen, nach dem Ausklarieren wollen wir mit ablaufendem Wasser Französisch Guyana verlassen. Dienstagabend hoffen wir in Paramaribo (Surinam) anzukommen. 

Freitag, 28. Juni 2013

Kourou, 27. Juni 2013



Gestern:
Nach wie vor ankern wir im Fluss Kourou vor der Freizeit-Steganlage des Raketenzentrums. Das nervenzerreibende Warten auf den Mechaniker ist in vollem Gange. Heute Vormittag will er kommen und ich muss ihn dann mit unserem kleinen Dingi vom Steg abholen. Die Ebbe läuft jetzt schon ziemlich stark. Wir hoffen eindringlich, dass er den Fehler erkennt, bzw. einen Plan unterbreitet, wie wir weiter vorgehen sollten.  Was wir selbst (mit Hilfe von Hartmuth) herausgefunden haben, ist dass kein Diesel aus der Einspritzpumpe kommt, bis dahin aber alles in Ordnung scheint.


Wahrscheinlich muss sie wieder ’raus, was mit einem längeren Aufenthalt hier verbunden wäre. Das ist nicht weiter schlimm, wenn der Motor dann tatsächlich wieder läuft. Da wir ohne die Möglichkeit die Batterien mit dem Motor aufzuladen auskommen müssen, haben wir den Kühlschrank nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.


Gestern Nachmittag, als wir schweißüberströmt am Motor gewerkelt haben, wurde endlich die Sojus-Rakete  gestartet. Leider hatte sich der Himmel just um diese Zeit mit Regenwolken zugezogen. Petra, die mit dem Fotoapparat auf der Lauer im Cockpit saß, konnte nur einen kurzen grellen Schein sehen, bevor das Ding in den Wolken verschwand. Laut und deutlich konnten wir wenigstens das Donnern des Triebwerks hören.

Heute:
Wir wissen ein wenig mehr. Nachmittags um fünf war der Mechaniker da. Die Einspritzpumpe (die ja schon auf Gran Canaria Probleme gemacht hatte) ist kaputt. Nachhaltig geschädigt durch Schmutz und Wasser im Treibstoff. Wahrscheinlich benötigen wir eine neue, was mit erheblichen Kosten verbunden ist. Wie viel genau will er uns spätesten morgen sagen.
Wir versuchen uns die Laune nicht verderben zu lassen und stellen uns auf einen längeren Aufenthalt hier ein. 


Dafür ist Kourou nicht der schlechteste Ort.
Die Raketenanlage bietet tausende von Arbeitsplätzen und viele Europäer sind auf der Strasse zu sehen. Französisch Guyana ist die ärmste Provinz Frankreichs (haben wir aus Wikipedia) aber im Südamerikanischen Vergleich gut versorgt.
Morgen wollen wir die Busverbindungen erkunden und wenigstens einen Ausflug nach Cayenne unternehmen.
Heute wurden wir nachhaltig daran erinnert, dass Regenzeit ist. Nachts und auch am Nachmittag hat es in Strömen gegossen. Alle Luken sind zu und die Kajüte verwandelt sich in ein türkisches Dampfbad.  


Später will uns Remy (der Mechaniker) einen kleinen Benzingenerator bringen, damit uns nicht der Strom ausgeht.
Zur Fahrt hier her haben wir ja schon einiges geschrieben. Gebraucht haben wir genau 6 Tage. Dabei hat uns die günstige Strömung geholfen. Es war alles in allem eine gute Überfahrt. Die meiste Zeit hatten wir sehr gute Segelbedingungen und ruhige Nächte. Nur am Ende ließ der Wind nach.
Wir hatten  kaum Schiffssichtungen. 


Gegessen haben wir ganz gut. Frischen Fisch hatten wir an drei Tagen. Danach blieb die Angel erst mal eingepackt. 




Donnerstag, 20. Juni 2013

Überfahrt nach Französisch-Guyana

Montag, 24.06. Endlich, heute Morgen um 7:00 fuhren wir (weiterhin mit Motor) auf die drei Inseln de Salut (Teufelsinseln) zu. Kourou liegt nur 8 Seemeilen weiter an der nahen Küste. Da teilte die Französische Marine über UKW mit, dass wegen eines Raketenstarts heute das Seegebiet vor Kourou einschliesslich der Inseln gesperrt sei. Also beschlossen wir, in den Fluss Kourou zu fahren. Schon kam auch die Küstenwache angebraust um uns ganz freundlich über das Bekannte zu unterrichten. Dabei haben wir den Motor auf Leerlauf geschaltet, der dabei leider stehen blieb und bis jetzt jeden weiteren Dienst abgelehnt hat.
Also unter Segeln und gegen die Tide den lehmigem Fluss hinauf gesegelt und vor dem Kourou-Anleger geankert. Bisher alles gut. Lange habe ich den Motor untersucht, ohne einen Grund für die Störung zu finden.
Etwas ratlos sind wir durch den Ort gegangen und haben etwas eingekauft (wir sind in Frankreich!).
Auf dem Rückweg haben wir Hartmut getroffen, der als einziger Deutscher hier liegt und arbeitet. Zufällig kennt er sich gut mit Motoren aus (sagt er) und will uns Morgen besuchen und mal sehen ob er den Fehler findet.
Noch sind wir guten Mutes und hoffen auf ein gutes Ende.
Der Raketenstart wurde übrigens auf morgen verschoben.

Sonntag, 23.06. Heute Mittag hatten wir für kurze Zeit die Segel gesetzt, aber es war nur der Wind einer Regenwolke. Seit dem dröhnt weiter der Motor. Der Guyana-Strom schiebt weiter mit, sodass wir mit reduzierter Motorleistung noch mit 7 kn unterwegs sind. Der Vormittag war grau in grau, aber seit heute Mittag haben wir wieder grössere Wolkenlücken und die Sonne kann scheinen was das Zeug hält. Durch den mangelnden Wind heizt sich das Schiff ordentlich auf und wir kleben am ganzen Körper. Da tat die Eimerdusche gut. Gesehen haben wir seit Tagen wenig. Zwei Frachter weit am Horizont und zweimal Delfine am Schiff, die uns längere Zeit begleitet haben.
Nach unserer Berechnung werden wir Morgen (Mo) nach dem Frühstück ankommen und neben dem Fähranleger ankern. Die Teufelsinseln liegen nur 10 Meilen von Kourou, wohin wir in den nächsten Tagen fahren wollen.
Vom großen Amazonas haben wir nichts mitbekommnen. Heute Nachmittag aber, eigentlich schon ein ganzes Stück weiter im Nordwesten, hat sich an einer scharfen Grenze die Wasserfarbe plötzlich vom bekannten Schwimmbad-Blau in ein etwas trüberes Grau-Grün verwandelt. 


Samstag, 22.06. 5. Tag auf See: Etwas sehr schönes in den Tropen sind der Himmel und die Wolkenformationen. Diese Höhe und Weite. Besonders natürlich wärhrend der Sonnenauf- und Untergänge.
Heute Abend wieder ein besonderes Spektakel:
Kein Windhauch, das Meer wie geschmolzenes Glas, gigantische Wolken, vor uns geht die Sonne inmitten grauer und rotorangener Pastelltöne unter, hinter uns ein prächtiger Vollmond, umgeben von grau-blauen Wolkenbergen. Rechts von uns Schauerwolken mit den charakteristischen diagonalen Regenschleiern.
Unter Motor tuckern wir weiter nach Nordwesten, noch 270 sm.
Schon in der letzten Nacht wurde der Wind immer schwächer, bis er heute Vormittag völlig einschlief. Dafür eben die Schauerwolken, die scheinbar mit dem gleichem Ziel unterwegs sind. Vorhin fuhren wir recht lange in gleichem Abstand hinter einer Regenwand her, ohne sie zu erreichen. Gerne hätten wir etwas Abkühlung gehabt.
Position: 3°23N, 48°28W

Freitag, 21.06. Heute morgen haben wir die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht. Aber statt Freude hat uns die Halbzeitdepression gepackt.
Wieviel schöner wäre es doch, durch die Ottenser Haupstrasse zu gehen oder im ruhigen Wedel an Bord zu sein. Statt dessen sorgen wir uns, ob die Squalls kommen. Noch Tage lang auf dem stickigen und schwankenden Boot auszuhalten. Das Glas war völlig halb leer.
Nach dem Frühstück besserte sich die Stimmung allmählich wieder.
Eigentlich haben wir wunderbare Bedingungen. Eine mäßige Backstagsbrise schiebt uns über das vergleichsweise ruhige Meer. Abgesehen vom abendlichen Reffen und dem morgendlichen Ausreffen, haben wir kaum an Schooten gezogen oder das Ruder bedient. Alles läuft gut.
Nervig ist das Senden dieser Mails: es dauert ewig, bis ich Kontakt zu einem Server gefunden habe. Die meisten Versuche sind erfolgslos. Die Übertragung der Daten geht im Schneckentempo voran. Dabei muss ich die ganze Zeit den USB-Stecker nach schräg unten drücken, nachdem ich ihn neulich an der Kartentischklappe eingeklemmt habe. Irgendwann, meist im Morgengrauen klappt es dann plötzlich doch.
Aktuelle Position: 2°14N; 46°16W. Zur Zeit fahren wir in ca. 400 km Entfernung an der Amazonasmündung vorbei.


Donnerstag, 20.06. Der Wind hat sich wieder etwas gelegt und wir hatten heute einen schönen und entspannten Segeltag. Zum Abendessen haben wir den Tisch im Cockpit aufgebaut und eine gekühlte Flasche Weisswein geöffnet. Danach, pünktlich nach dem Abwasch, kamen einige graue Wolken mit Schauern und Wind im Gepäck. Aus war es mit der Gemütlichkeit. Schnell Reffen, Polster in Sicherheit bringen und einige gespannte Minuten warten bis der Spuk vorüber ist. Jetzt, um halb acht, ist es dunkel und der zunehmende Mond taucht alles in silbriges Licht. Die Wolken sind an uns vorbei gezogen und haben sich nach Nordwesten verzogen. Wir hoffen auf eine ruhige Nacht.
Der Guayanastrom hat ordendlich geholfen, unser gestriges Etmal betrug stolze 200 sm.
Ganz unspektakulär haben wir heute morgen den Äquator nach Norden überquert. Wir sind wieder bei Euch.


Mittwoch, 19.06. Hier im Norden von Brasilien scheinen die Bedingungen für Amateurfunk sehr mies zu sein. Seit Tagen kein Sprechfunk-Kontakt und auch dieses RMS-Email-System will bisher nicht funktionieren. Jetzt scheint es aber zu klappen.
Am Montag waren doch noch einige Dinge zu erledigen. Unter anderem war die Toilette hoffnungslos verstopft (Rohrinfarkt). Also haben wir erst dieses Problem gelöst und unsere Abreise aus Brasilien um einen Tag verschoben.
Seit Dienstag sind wir wieder unterwegs. An der brasilianischen Küste entlang und in gebührendem Abstand an der weitläufigen Amazonasmündung vorbei. Der Wind weht günstig aus Ost mit 15 bis 20 Knoten. Seit heute Abend sind es eher 25 kn und die See ist etwas ruppig gewurden. Dazu schiebt der mächtige Guyana-Strom mit 2 bis 3 Knoten mit, sodass wir ständig mit 8 kn und mehr unterwegs sind.
Bisher hatten wir keinen Regen und auch keine Böen. Uns geht es gut, nur der Schlaf kommt mal wieder zu kurz.Wenn es so weiterlaufen würde, wären wir am kommenden Dienstag dort. Der Wind soll sich aber wieder etwas abschwächen.

Sonntag, 16. Juni 2013

Fortaleza, 16. Juni 2013



Drei Tage und zwei Nächte haben wir für die 350 Seemeilen von Jacaré bis hierher gebraucht. Es war Segeln wie im Bilderbuch: konstante 15 bis 18 Knoten Wind aus Ost, sonnige Tage und sternenklare Nächte und durch die ständige Brise eine angenehme und mückenfreie Luft. Allein der Seegang hat uns durchgeschaukelt und Petra war am ersten Tag wieder ordentlich seekrank. Wegen der vielen kleinen Fischerboote die hier hauptsächlich nachts fischen, waren wir außerhalb von Landsicht, am Rand des Festlandsockels in tiefem Gewässer unterwegs. Da fahren allerdings auch viele Frachter an der Brasilianischen Küste entlang und wir mussten nachts dreimal über UKW Kontakt aufnehmen, um das gegenseitige Passieren zu klären. Bei entgegenkommenden oder überholenden Schiffen ist die Seite oft nicht klar. Das hat immer gut funktioniert und die Frachter haben ihren Kurs für uns leicht geändert.
Als das Essen wieder zu schmecken begann haben wir unsere Schleppangel mit dem kleinen Plastiktintenfisch hinter uns hergezogen und siehe da, nach 10 Minuten hatten wir einen kleinen Bonito an der Angel. Der hat dann unser Abendessen bereichert. Am zweiten Tag machten wir noch einen Versuch und kurz darauf wieder ein Bonito, dieses Mal ein bisschen größer. Den haben wir heute Mittag mit Salat verspeist. 


Gestern, am späten Nachmittag haben wir Fortaleza erreicht und hatten es eilig den Hafen und einen Liegeplatz noch vor der Dunkelheit zu finden.
Die Sonne ging schnell unter und in die Marina vor dem Park-Hotel sind wir knapp vor dunkel eingelaufen. Eine verwahrloste Anlage mit wenigen Booten und der einzigen Möglichkeit, unter Bug- oder Heckanker an den Steg heran zu fahren. Der Heckanker lag in der Bilge, tief unter H-Milch und Mineralwasser begraben. Also noch mal in den Vorhafen fahren und den Hauptanker klarieren. Dabei musste ich feststellen, dass die Ankerwinsch völlig blockiert war. Also doch den Heckanker ans Heck befördern, was im Schiff zu völligem Chaos geführt hat. Inzwischen war es dunkel. Beim fieren des Ankers stellte ich fest, dass der Kettenvorlauf nicht an die Trosse angeschlossen war. Gerade habe ich es noch geschafft, die Kette mit dem Anker zu halten. Während Petra noch einen Kringel fuhr wurde auch das erledigt und wir konnten ohne weitere Katastrophen festmachen. 


Völlig geschafft, durchgeschwitzt und verärgert wegen der schlechten Vorbereitung ließen wir uns auf die Cockpit-bank fallen und haben erstmal ein kaltes Bier getrunken. Der verwahrloste Hafen gehört zu einer luxuriösen Hotelanlage wo uns generös erlaubt wurde, die Duschen vom Pool zu nutzen.




Heute sah die Welt schon besser aus. Wir haben das Großsegel geflickt, das Spill der Ankerwinsch entrostet und gefettet und uns auf die lange Odyssee der Behörden begeben. Bundespolizei, Zollbehörde und Hafenamt standen auf dem Programm. Der Taxifahrer hat brav gewartet und nach drei Stunden war es erledigt. Wir haben ausklariert und sollen Brasilien innerhalb der nächsten 48 Stunden verlassen. 


Das werden wir morgen tun und die Überfahrt nach Französisch Guayana antreten. Dort wollen wir zunächst die Inseln de Salud anlaufen, mit der berühmten ehemaligen Strafkolonie. Die Distanz beträgt ca. 1000 sm und wir rechnen mit 8 Tagen Fahrt.

Samstag, 8. Juni 2013

Cabedelo, 8. Juni 2013



Gestern Mittag sind wir nach einer langen Busfahrt von Salvador da Bahia aus wieder an Bord angekommen und wurden gleich von hunderten der inzwischen verhassten winzig kleinen Mückchen überfallen und zerstochen.
Nach den angenehmen Temperaturen im Süden ist es hier wieder sehr warm und drückend und der Fluss riecht faulig. Da es auch hier in den letzten Wochen viel geregnet hat, sind die Mücken sehr aktiv und speziell diese kleine Sorte (etwa 1 mm lang) kommt in Schwärmen vom Mangrovengebiet auf der anderen Seite zu uns herüber.
Abgesehen davon sind wir nach einer sehr schönen Reise aber wieder gerne zuhause angekommen.

Nach einem unspektakulären, drei stündigen Flug sind wir im Morgengrauen durch regenschwere Wolken getaucht und auf dem Flughafen Galeao in Rio gelandet.
Nachdem wir ein Auto gemietet hatten, haben wir uns auf den Weg nach Ipanema gemacht, wo wir uns im Reiseführer eine kleine Pension ausgesucht hatten.
Dazu muss man von Norden kommend leider durch die ganz Stadt. Der Norden von Rio, der in keinem Reiseführer Erwähnung findet, ist sehr ausgedehnt und besteht aus einfachen Wohnquartieren, Gewerbe und Industrie und ist durchzogen von Autobahnzubringern und stinkenden Kanälen. Mitten durch diese Quartiere ist ein Netz von kilometerlangen Hochstrassen aus Beton gebrochen worden. Sie sind an Hässlichkeit kaum zu überbieten und sollen den Verkehrsfluss in die Innenstadt und zu den Arbeitsplätzen erleichtern. Morgens um halb acht steckten wir darin hoffnungslos im Stau. Scharen von Motorradfahrern sausen dabei unter lautstarkem Dauerhupen an den stehenden Autos vorbei, dass einem angst und bange wird. Scharen auch von Verkäufern sind auf der Schnellstrasse zwischen den stehenden Autos unterwegs und bieten Kekse, Wasser und andere Waren an. Es grenzt an ein Wunder, dass es nicht ständig zu Unfällen kommt.




Langsam kommen wir weiter. Der Regen des Morgens hat den Schimmel an den Fassaden der älteren Gebäude noch schwärzer gefärbt und die wuchernde tropische Vegetation ist, wo man sie nicht zurückgedrängt hat und an den steilen Hügeln sehr üppig und dunkelgrün.
Durch einen langen und durch Autoabgase geschwärzten Tunnel wechselten wir in die südlichen Stadtteile von Rio, deren Namen alle kennen. Durch Botafogo und Copacabana gelangten wir endlich nach Ipanema wo wir in dem kleinen Hostel das letzte freie Zimmer ergattern konnten. Schwieriger (und fast so teuer) war es, ein Parkplatz für das Auto zu finden.




  
Ipanema ist einer der angesagten Stadtteile von Rio, in dem nur gut verdienende Menschen leben können. Die großen Bäume an den Strassen bieten Schatten und der Strand ist nicht weit. Gerade am Morgen sind die vielen Hausangestellten, Pförtnern, Hundeausführer, Parkplatzwächter und Belieferer unterwegs. In einer großen und traditionellen Bäckerei/Bar an der nächsten Ecke konnten wir am Tresen leckeren Kaffee und ein süßes Brötchen frühstücken.
Obwohl wir Rio schon früher besucht hatten, waren wir wieder überwältigt von den steilen Bergen mitten in der Stadt und von der tropischen Üppigkeit, die trotz der dichten Bebauung überall zu sehen ist.
Am nächsten Tag sind wir zu unserem eigentlichen Reiseziel aufgebrochen, der ca. 500 km langen Küste zwischen Rio und Santos.


Dieses Gebiet wurde, wegen der schwierigen Topografie, teilweise erst von 40 Jahren durch Strassen erschlossen. Dort sind noch große Flächen von nahezu unberührtem tropischem Urwald erhalten. Die Landschaft ist großartig. Die teilweise über 1000 Meter hohen Berge reichen bis ans Meer. Die Küste besteht aus unzähligen kleinen und größeren Buchten und vorgelagerten Inseln. 


Wo die dichte Vegetation nicht bis ans Wasser reicht wechseln sich Strände aus hellem Sand mit Felsformationen ab. Der Tourismus breitet sich sehr schnell aus aber noch gibt es kleine Orte die den ursprünglichen Charme erhalten haben.


An einem dieser Orte, in Picinguaba, lebt heute Peter, ein alter Kindheits- und Jugendfreund. Abgesehen von einem kurzen Besuch in Hamburg haben wir uns über 40 Jahre nicht gesehen. Heute betreibt er mit seiner Familie ein kleines Restaurant direkt an einem der schönsten Strände der Gegend. 


Mit Blick aufs Meer und einem kühlen Bier in der Hand haben wir uns viel über Heute und Früher unterhalten.



Sie haben uns in großer Gastfreundschaft aufgenommen und uns eine der Gästewohnungen überlassen. Insgesamt waren wir 5 Tage bei ihnen, an einem geradezu paradiesischen Ort. Zu Essen gab es natürlich auch vom Besten. Am letzten Tag hat Peter eine traditionelle Feijoada am Holzofen zubereitet. Über zwei Tage lang hat sie geköchelt und am Samstag wunderbar geschmeckt.


Weiter hat uns die Reise zur Ilhabela geführt, eine landschaftlich sehr schöne der Küste vorgelagerte Insel, auf der wir auf der Hin- und der Rückfahrt jeweils einen Tag waren.


Schließlich sind wir nach Santos gelangt, die Stadt, nach der wir unser Schiff benannt haben.



Diese große Stadt lebt hauptsächlich vom größten Seehafen Brasiliens und von der Schwerindustrie im Hinterland und ist kein großes touristisches Ziel. Ich mochte sie schon in meiner Kindheit gerne und sie war Ausgangshafen meiner Übersiedlung nach Hamburg. Vor 20 Jahren waren wir beide schon einmal hier und haben uns sehr wohl gefühlt.



Außerdem hat Santos eine Strandpromenade, die es fast mit der Copacabana aufnehmen kann. Bei näherem hinsehen merkt man, dass irgendetwas nicht stimmt. Die Hochhäuser dort, teilweise schon in den 40-Jahren gebaut, haben sich bedenklich in den weichen Untergrund gedrückt und zur Seite geneigt. Im Internet konnten wir lesen, dass 68 von ihnen mit bis zu 2 Meter Abweichung von der Senkrechten sichtbar schief stehen. Obwohl die Türen darin alleine zufallen und man Klötze unter das Bett legen muss soll das Leben darin (noch) völlig ungefährlich sein…


Von Santos aus haben wir uns langsam auf den Rückweg nach Rio gemacht, wieder über Ilhabela und Picinguaba. 


Diesmal haben wir uns ein kleines Hotel in der Innenstadt ausgesucht. Leider waren die beiden Tage in Rio ziemlich verregnet. Wir mussten ständig über Pfützen springen und hatten dann doch völlig aufgeweicht Schuhe.
Zu einem unerwarteten Highlight brachte uns Simone, der wir ein vergessenes Handy aus Peters Restaurant mitgebracht hatten. Sie hat uns am letzten Abend in eine Samba-Bar im traditionsreichen alten Stadtteil Lapa eingeladen. Es gab Live-Musik und eine leckere Caipirinha, bevor wir, wieder im strömenden Regen, zurück ins Hotel gegangen sind.
Auf den Rückflug nach Joao Pessoa hatten wir (mal wieder) verzichtet und sind stattdessen mit dem Reisebus nach Salvador da Bahia gefahren.


Damit sind wir recht bequem (viel Fußraum, Bänkchen für die Beine und Sitze, die weit zurückgelehnt werden konnten) durch den landschaftlich schönen Bundesstaat Minas Gerais und Bahia gefahren. Nach 30 Stunden sind wir etwas ermattet in Salvador angekommen. Durch die Schlaglöcher, Bodenwellen und vielen Kurven fühlten wir uns an die Nächte auf See erinnert, wo wir auch nicht viel geschlafen hatten.



In Salvador hatten wir ein Zimmer mitten in der berühmten oberen Altstadt (Pelourinho). Leider hat es wieder viel geregnet. Wir mussten wieder einen Regenschirm kaufen. 



Dabei haben wir festgestellt, dass ein Unterschied zwischen der touristischen Oberstadt und der (ebenfalls alten) Unterstadt der ist, dass der gleiche Schirm oben 10 Reals und in der Unterstadt nur 5 Reals kostet (2 Euro).



Von Salvador aus sind wir wieder mit einem sehr neuen und bequemen Reisebus der Kategorie „Executivo“ in 17 Stunden zurück nach Joao Pessoa gefahren. Leider entsprach der Zustand der Strassen nicht dem Bus. Scheinbar endlos schlichen wir durch Baustellen oder rumpelten über durchlöcherten Straßenbelag. Schließlich, gestern Mittag, waren wir da.