Mittwoch, 16. Juli 2014

Viveiro, 16. Juli 2014



Seit einer Woche sind wir in Galizien und die Anstrengungen der Überfahrt sind schon fast vergessen. Es ist uns auch gar nicht mehr richtig deutlich, worin die Anstrengung eigentlich bestand. Bald müssen wir wohl unser eigenes Logbuch lesen.

Seit der Ankunft auf dem Europäischen Festland bewegen wir uns auf bekanntem Boden. Die Weiterreise nach Hamburg wird uns weitgehend in die gleichen Gegenden und Häfen bringen, die wir vor zwei Jahren passiert haben. Nichts aufregend Neues also.
Abgesehen davon, dass das Wetter eher durchwachsen und kühl ist, sind wir wieder gerne in dieser Region. 

Zwei Tage waren wir in La Coruna. Wartung am Schiff, putzen, Wäsche waschen und Spaziergänge durch die Altstadt und am Ufer entlang haben die Zeit gefüllt.
Nach zwei Ankerstops in Ares und Cedeiro ging es weiter nach Viveiro, wo wir pünktlich zum Endspiel eingetroffen sind. In den Bars wurden wieder in großen Mengen Tapas gereicht und die Stimmung war gut. 

Gemeinsam mit Ulla und Werner haben wir ein Auto gemietet und einen Ausflug nach Lugo und in die Galizische Provinz unternommen.
Eine schöne Landschaft und alte Städte.


Jetzt warten wir auf den geeigneten Wind für die Überquerung der Biskaya.
Morgen oder am Freitag könnte es passen.

Dienstag, 1. Juli 2014

Überfahrt Azoren - Europa


 Mittwoch, 9. Juli, 9.Tag

Nach einer nächtlichen Rauschefahrt sind wir heute Morgen um 5:00 Uhr in La Coruna angekommen. Eine ganze Armada von kleinen Fischerbooten kam uns im Dunklen entgegen. Der Kreis unserer Atlantikrunde hat sich damit geschlossen. Nun liegen wir in der Marina und müssen erst mal klar Schiff machen.


Dienstag, 8. Juli, 8.Tag


Es wird Abend. Immer wieder begleitet von Delfinen geht einer der schönsten Segeltage der Reise zu Ende. Dass es nur noch rund 40 Meilen bis La Coruna sind, beflügelt zusätzlich. Morgen ganz früh werden wir sicher ankommen. Die Nacht wird aber noch anstrengend. Nicht nur weil langsam sowieso alles anstrengend wird, sondern weil der Wind jetzt schon zunimmt und uns die letzten Stunden wohl noch zusetzten wird. Außerdem ist es recht kalt draußen. Aber, egal. Wir planen schon, was wir in La Coruna machen wollen und erledigen müssen.
Als erstes kommt jedenfalls ein Frühstück mit frischen Brötchen.
 


Montag, 7. Juli, 7. Tag

Nach dem schönen Tag gestern war es heute fast die ganze Zeit trüb und nieselig. Erst seit dem späten Nachmittag ist es aufgeklart. Graue Schauerwolken ziehen über uns hinweg und bringen Böen. Der Wind hat von West auf Nord gedreht. Typisches Rückseitenwetter. Wir segeln auf dem 44. Breitengrad so lange nach Osten, bis wir La Coruna mit etwa 140° anliegen können. Diesen Punkt hoffen wir in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zu erreichen. Von dort sind es dann ca. 45 Meilen bis in den Hafen. Wir freuen uns schon sehr auf die Dusche.
Heute Mittag sitzen wir am Tisch, betrachten gemeinsam die aktuelle Seekarte und berechnen zum xten Mal, wann wir an welchen Punkt der Strecke sein werden.
Da ertönt mal wieder der Bilgenalarm. Wasser im Schiff. Sofort werden die verdächtigen Deckel und Klappen aufgerissen. Der Grund war ebenso idiotisch wie schnell gefunden. Eine Schlauchschelle der Druckwasseranlage hatte versagt und unser schönes Wasser wurde in die Bilge gepumpt. Da hieß es wieder räumen und trocknen.
Ist ja noch mal gut gegangen.
Position um 17:45 UTC: 44°12 N, 12°10 W.
 


Sonntag, 6. Juli, 6. Tag


Die letzte Nacht war angenehm. Nach den vielen grauen Nieseltagen eine milde klare Nacht mit dem langsam zunehmenden Mond und vielen Sternen. Mit einer guten Geschwindigkeit (um 6 Knoten) ging es relativ ruhig dahin. Beide konnten wir für einige Stunden schlafen.
Dann ging das Spekulieren um die Wetterentwicklung weiter. Über Amateurfunk, E-Mail und Iridium haben wir uns mit Thierry und Karsten beraten. Wie gehen wir mit den vorausgesagten starken Nordostwind um, der ab Dienstag vor der Küste wehen soll. Wir werden erst am Mittwoch ankommen können. Die Lösung könnte sein, zunächst bis 45° N und 10° W zu segeln, um von dort aus La Coruna mit südöstlichen Kurs zu erreichen.
Und, wir sollten uns beeilen. Da der Wind seit heute Nachmittag schwächelt, läuft mal wieder der Motor mit. Ansonsten war es ein normaler Tag mit Frühstücksei, Brote backen, Kaffee umschütten und Hose auswaschen.
Position um 18:30 UTC: 43°48 N; 15°39 W.


Samstag, 5. Juli, 5. Tag

Hoch am Wind kämpfen wir uns bei 20 kn aus NW in Richtung unseres Wegpunktes vor Nordwestspanien. Ich muss mich beim Schreiben an den Kartentisch krallen, in den Schapps klappern die Toepfe und Petra versucht sich im Liegen zu entspannen. Schwierig bei diesen Bedingungen. Immerhin scheint seit dem spaeten Nachmittag die Sonne.
Der grosse Massengutfrachter „Kerveros“ ist uns vorhin in einen grosszuegigen Bogen ausgewichen. Er will auch nach Spanien.
Die Haelfte der Strecke haben wir hinter uns und es scheint eine ewige Zeit gedauert zu haben. Wir wuerden gerne ankommen.
Das wird aber nicht so einfach da die Windbedingungen  ueberall unguenstig sind, so scheint es.
Noch versuchen wir mit Carstens Hilfe eine gute Route zu finden. Es kann sein, dass wir nicht in La Coruna landen.
Position um 20:00 UTC: 43°12 N; 18°20 W


Freitag, 4. Juli, 4. Tag

Heute geht es uns schon wieder erheblich besser. Die letzte Nacht war auch grau und finster aber immerhin trocken. Geschlafen haben wir auch ein paar Stunden.
Unter nach Backbord ausgebaumter Genua und nach Steuebord stehendem Groß machen wir seit gestern Abend gute Fahrt. Dabei rollt das Schiff immer wieder kräftig hin und her. Was wiederum lästig ist. Bei allem was man tut, muss man sich und alles andere gut festhalten.
Aber wir haben das Gefühl unserem Ziel näher zu kommen.
Morgen soll der Wind so bleiben, danach schwächt er wieder etwas ab.
Leider entwickeln sich die Vorhersagen für die letzte Phase der Überfahrt ungünstig. Mittwoch und Donnerstag soll es viel Wind in der Nähe von Nordwestspanien geben. Das sind noch ein paar Tage hin. Wir warten erst mal ab.
Position um 18:00 UTC: 42°22 N; 21°41 W.


Donnerstag, 3. Juli, 3.Tag

Die letzte Nacht brachte uns guten Segelwind. Sie war aber auch sehr ungemütlich. Mit der Nacht zog sich der Himmel zu und es wurde wieder stockfinster. Kein eigentlicher Nebel, aber ein nässender Dunst, der alles tropfen ließ und dessen kalte Feuchtigkeit bis in die Knochen drang. Kaum Schlaf. Kopfschmerzen.
Das alles sorgt für körperliches Unwohlsein und zum seelischen Abgleiten. Die Dritter-Tag Depression (oder wars der zweite?).
Der Tag wurde aber wieder ganz schön, aber schwachwindig. Mit Frühstück, einer netten Funkrunde und erbaulichen Mails haben wir uns aufgemuntert; es hilft ja nichts. Die nächste Nacht zieht jetzt herauf, am Horizont droht die nahende Wolkenbank. Es soll mehr Wind geben.




Mittwoch, 01.07. 2. Tag

Nach 26 Stunden Motordröhnen endlich Ruhe. Eine leichte 8 bis 10 Knoten-Brise schiebt uns sachte nach Nordost. Wir laufen um 5 Kn. Ein bisschen laut ist inzwischen unser Windgenerator, der in letzter Zeit einen Lagerschaden entwickelt hat.
Mit dem Wind kam auch die Sonne wieder zum Vorschein. Nach einem grauen Tag hat sich die dichte Wolkendecke heute Abend wieder zurückgezogen und der Himmel ist wieder strahlend blau.
Heute Mittag trieb ein größerer Gegenstand in einiger Entfernung direkt vor uns. Ich wollte mich schon über die Vermüllung der Meere ärgern als der Gegenstand eine Fontaine ausstieß und sich damit als ziemlich großer Wal zu erkennen gab. Wir fuhren direkt auf ihn zu und er machte zunächst keine Anstalten ausweichen zu wollen. Dann aber ein letzter Blas und er tauchte majestätisch ab und zeigte uns dabei seine Fluke.
Hier scheint es tatsächlich viele Wale zu geben. Ganze Grindwalschulen und immer wieder Delfine zeigten sich. Auch einige Schildkröten. Beim glatten Wasser sind sie auch in der Ferne leicht zu erkennen.
Jetzt bereiten wir uns auf die zweite Nacht vor. Die Seekoje muss auf die andere Seite; der Wind kommt ab jetzt von links.


Die Santos bei der Abfahrt aus Sao Jorge vor dem Berg Pico. Bild eingestellt mit Dank an Farida.


Dienstag, 01.07. 1. Tag

Heute Morgen sind wir bei strahlendem Sonnenschein und einer schönen leichten Brise aus dem Hafen von Velas gefahren. Erst nach Westen um die Insel und dann mit Kurs 20° fast nach Norden. Ab 15:00 verließ uns wie erwartet der Wind. Seit dem läuft der Motor. Wir hoffen morgen Abend oder spätestens Donnerstag auf Westwind zu stoßen und dann auf unser Ziel La Coruna in Nordwestspanien halten zu können.
Mehrere Delfinschulen haben uns schon besucht. Eine Gruppe kleinerer Wale war auch dabei. Es wird jetzt Abend und noch trübt kein Wölkchen den Himmel. Uns geht es gut.
Wir erwarten am 9. oder 10 Juli anzukommen. Es kann natürlich auch einige Tage länger dauern.
Position um 20:30 UTC: 39°30 N; 28°03 W

Samstag, 28. Juni 2014

Velas (Sao Jorge), 28. Juni 2014


Inzwischen liegen wir schon einige Tage im hübschen Velas auf der Insel Sao Jorge. Ein sehr angenehmes Städtchen mit vielen alten Häusern und einer Kirche mit reich vergoldetem Altar. 



Im Hafen werden noch viel Fisch und andere Meeresfrüchte angelandet und auf den umliegenden Hochebenen dominiert die Milchwirtschaft und der die Käseproduktion. 


Es gibt einigen Tourismus, hauptsächlich Wanderer. Die Insel ist fast vollständig von hohen Steilküsten umgeben, Strände gibt es nicht. An einiges Stellen bieten kleine Küstenflächen Siedlungsmöglichkeiten, den sog. Fajans (mit ~ über dem 2. a).


Mit Wolfgang haben wir ein Auto gemietet und haben die zigarrenförmige Insel von einem zum anderen Ende erkundet. Wie überall auf den Azoren wirkt das Land sehr geordnet. Alles ist seit jahrhunderten bewirtschaftetes Kulturland und nur die wirklich unzugänglichen Stellen werden nicht bebaut. 


Die kleinen Orte mit weißen Häusern liegen entweder auf einer Faja oder hoch über der Küste in den Bergen. In der Ferne sind die Nachbarinseln zu sehen, besonders natürlich Pico.


Die kleine Marina in Velas ist sehr angenehm und sehr gut ausgestattet (die besten Duschen seit Jahren). Nur die vielen Seevögel, die zum Schlafen (oder Balzen?) nachts in die Felswand am Hafen kommen, stören unseren Schlaf mit ihrem lauten Gezeter.


Bei uns steigt derweil wieder die Anspannung. Wir müssen uns entscheiden, wann wir in den kommenden Tagen Richtung Europa aufbrechen. Dazu müssen wir uns bei wechselnden Winden soweit nach Norden kämpfen, bis wir auf anhaltenden Westwind stoßen, mit dem wir dann nach Osten segeln können. Unser Ziel ist La Coruna in Nordwestspanien. Das sind wieder an die 1000 sm, also 8 bis 9 Tage.
Das bedeutet auch, dass wir uns von Farida und Hubert verabschieden müssen, mit denen wir seit vielen Monaten gemeinsam unterwegs sind. Abschiede fallen schwer. Natürlich hoffen wir auf ein Wiedersehen.


Montag, 23. Juni 2014

Horta, 23. Juni 2014



Die Fahrt nach Horta war unspektakulär. Rund 24 Stunden waren wir unterwegs, meist als Motorsegler. Im Morgengrauen kam die Insel Faial und dahinter der Berg Pico auf der gleichnamigen Nachbarinsel in sicht. Dieser alte Vulkan ist sehr markant und überragt mit seinen über 2000 Metern alle anderen Inseln.

Von unserem Liegeplatz im Hafen haben wir ihn immer im Blick und beobachten die ständigen Veränderungen in seinem Aussehen im laufe des Tages. 
 

Horta ist eine quirlige kleine Stadt mit vielen Kolonialbauten und diversen stattlichen Kirchen. 


Der Yachthafen ist groß und gut mit Seglern gefüllt. Wir liegen im Dreierpäckchen an der Kaimauer. Ständig trifft man Freunde und Bekannte und die Abende in Peters Cafe Sport sind gesellig.


Tagsüber sind die meisten mit Reparaturen beschäftigt. Bei uns war ein Spannstift in der Ruderanlage gebrochen. Das hat das Spiel im Steuerrad erklärt, dass wir seit ein paar Tagen bemerkt hatten. Außerdem war der Unterliekstrecker fast durchgescheuert und musste repariert werden. So oder ähnlich geht es eigentlich allen.
Zur Tradition in Horta gehört, dass man ein Bild an der Hafenmauer hinterlässt. Das haben wir uns natürlich auch nicht nehmen lassen.


Mehrmals am Tag kommen Segler an. Allen ist die Freude über die Ankunft nach einer anstrengenden Atlantiküberquerung anzusehen. Täglich brechen sie auch wieder auf. Entweder direkt zum Europäischen Kontinent oder zu einen der nächsten Azoren-Inseln. 


Wir wollen noch Sao Jorge und die Insel Terceira besuchen, bevor auch wir Richtung Nordspanien aufbrechen. Die Windvorhersagen für dieses Gebiet sind zurzeit nicht sehr eindeutig. Vielleicht klappt es in der kommenden Woche.

Freitag, 13. Juni 2014

Flores, Azoren, 13. Juni 2014


Kaum liegt man vertäut im sicheren Hafen, schon verblassen die Eindrücke der letzten beiden Wochen.
Die letzten Tage bleiben am stärksten in Erinnerung: das graue Wetter, der starke Wind, das klein gereffte Vorsegel und das Bangen ob auch alles hält und wir ohne Schaden ankommen. 



Es gab fast nichts zu tun, als eben beobachten und die Zeit vergehen lassen. Auf dem Salonboden in fast sitzender Stellung schlafen. Etwas zu Essen machen (am Ende nur ein Brot oder eine aufgewärmte Suppe aus der Dose).
Dann, in der letzen Nacht, kommt der Leuchtturm von Flores in Sicht. Der Wind lässt nach und wir nähern uns der wolkenverhangenen Insel. Als die Sonne aufgeht, sehen wir die wenigen verstreuten weißen Häuser von Lajes. Wir biegen um den gigantischen Wellenbrecher und sind im ruhigen Hafen.



Lajes („die westlichste Gemeinde Europas“) wirkt wie ein verschlafenes Dorf am Rande der Welt. Zwar wurde viel in Strassen, Beleuchtung und leer stehenden öffentlichen Gebäuden investiert, das Leben ist aber bescheiden geblieben.


Völlig überwältigt waren wir von der bergigen Struktur und der üppigen Vegetation der Insel auf der Fahrt nach Santa Cruz, der kleinen Inselhauptstadt. Das feuchte Klima schuf ein undurchdringliches Grün, dazwischen Schluchten und Wasserfälle. Dort, wo das Gefälle nicht so stark ist, sind von alten Steinmauern eingefasst Wiesen oder Gemüsebeete angelegt. Kühe grasen auf dem schrägen Weiden. Die Azorianer sind wohl zum großen Teil Selbstversorger. 



Das zeigt sich auch im sehr bescheidenen Angebot der Lebensmittelläden.
200 m bergauf vom Hafen, betreibt eine ältere Frau eine kleine Bar/Laden. Kein Schild weist darauf hin, Tageslicht kommt kaum herein. Sie hat morgens aber frische Brötchen. Heute, am dritten Tag, lag unsere übliche Menge schon verpackt für uns bereit.
Heute regnet es die ganze Zeit, ein kleines Sturmtief zieht über uns hinweg. Anfang der kommenden Woche wollen wir weiter, nach Horta auf der Insel Faial.

Mittwoch, 28. Mai 2014

Überfahrt zu den Azoren, Teil 2

Mittwoch, 11. Juni, 15. Tag 

Tom und Petra sind auf Flores angekommen und schlafen sich jetzt erstmal aus.


Dienstag, 10. Juni, 14. Tag.

Gestern Abend flaute der Wind unerwartet und erfreulicherweise auf ca. 20 Kn ab und schenkte uns eine vergleichsweise ruhige Nacht. Wir konnten einige Stunden schlafen und heute Morgen am Tisch Kaffee und Marmeladenbrote frühstücken. Das hebt die Moral. Danach gab es neue Wetterinfos von Thierry. Ab heute Mittag sollte der Wind wieder auf über 30 Kn zulegen. Was er auch getan hat. Es haben sich wieder gewaltige Wasserberge aufgebaut, die unaufhörlich von schräg hinten auf uns zurollen. Wenn die Wasserwand bedenklich nah herangekommen ist, hebt sich das Schiff wie ein Fahrstuhl und die Woge zieht rauschend unter uns durch. Ein Schauspiel. Dieses sollte aber bald ein Ende finden. Ab Mitternacht soll der Wind wieder etwas abflauen. Das wäre schön. Morgen ganz früh wollen wir in den Hafen von Lajes einlaufen.
Position um 18:00 UTC: 39°16 N; 32°34 W. Noch 65 sm.



Montag, 9. Juni, 13. Tag

Mit der Nacht kam der Wind. Seit dem haben wir pausenlos Windstärke 6 bis 7 Bf. Zwischen 25 und 35 Knoten. Und meistens am oberen Ende dieser Skala. Wir laufen nur noch mit gereffter Fock und das letzte Etmal hatte 151 sm. Die Welle hat sich auch steil aufgebaut und wir werden ganz schön gebeutelt. Das Schiff macht das alles gut mit. Wir versuchen guter Dinge zu bleiben und trösten uns damit, dass wir vielleicht in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in Lajes auf Flores ankommen könnten.
Position um 18:00 UTC: 39°05 N; 35°00 W. Noch 180 sm.


Sonntag, 8. Juni, 12. Tag


Letzte Nacht war der Wind so weit abgeflaut, dass wir abends den Motor angemacht haben. So kamen wir in den Genuss einer ruhigen, wenn auch lauten Nacht. Aber eintönige Motorgeräusche sind auch einschläfernd und so konnten wir etwas Schlaf nachholen. Heute Morgen, beim Funkgespräch mit den "Seelotsen", gab Thierry uns den aktuellen Wetterbericht. Das Starkwindgebiet, dass über uns hinwegziehen soll, wird nicht 12, sondern mindestens 48 Stunden andauern und uns bis Flores begleiten. Wir versuchen es mit Fassung zu tragen. Heute Mittag, als es noch flau war, haben uns ca. 20 Delfine für längere Zeit begleitet und in unserer Bugwelle gespielt. Wenig später ein Wal! Ein grosser Orka ließ sich für einige Zeit blicken. Meistens war nur ein langer schwarzer Rücken mit einer mindestens 1 Meter langen und steilen Rückenfinne zu sehen. Einmal hat er aber den Kopf gehoben. Ein großer Kopf mit kleinen Äuglein und der typischen schwarz-weissen Färbung. Ein imposanter Anblick.
Jetzt wird es Abend und wir warten mit etwas Spannung auf den Wind, der uns in den nächsten Tagen mit 22 bis 35 Knoten nach Flores pusten soll. Noch ist es ganz harmlos. Ein sonniger Sonntagnachmittag eben.
Position um 18:30 UTC: 39°13 N; 38°07 W. Noch 323 sm.


Samstag, 7. Juni, 11. Tag

Gestern waren wir bei einer leichten Brise mit ausgebaumter Genua und einfach gerefftem Groß in die Nacht gefahren. Nachts sind wir jetzt beide unter Deck, versuchen zu schlafen bzw. halten Wache. Mitten in der Nacht wird es plötzlich laut, das Schiff scheint Kopf zu stehen, Gegenstände fliegen durch die Kajüte. Eine Schauerböe hatte uns auf die Seite gelegt. Es hat eine ganze Weile gedauert bis die backstehenden Segel wieder geordnet waren und wir normal weiter segeln konnten. Damit hatten wir nicht gerechnet, was wir aber hätten tun sollen.
Sicher hängt das mit dem chronischen Schlafmangel zusammen, der langsam an den Nerven zehrt.
Jetzt ist der Wind wieder eher mäßig, aber die See ist immer noch steil und das Leben an Bord anstrengend. Ab Morgen soll es wieder windiger werden.
Immerhin haben wir schon über 1300 sm hinter uns. Bis Flores sind es noch 450 sm.
Position um 20:00 UTC: 38°56 N; 40°47 W


Freitag, 6. Juni, 10. Tag

Die Nacht war sternenklar und ruhig. Heute Vormittag kam langsam eine leichte Brise von hinten auf. Zunächst ging es ganz erfreulich weiter auf Flores zu. Mit der Zeit hat sich aber eine so nervige Welle aufgebaut, die in Verbindung mit dem immer wieder schwächelnden Wind für ein zemürbendes, langsames Vorankommen gesorgt hat. Elend schlagende Segel, ruckende Schoten, knallende Blöcke, Segler kennen das. Gegen Abend haben wir entnervt eine Halse gefahren und segeln jetzt auf Steuerbordbug 50°, was nur geringfügig besser geht. Und wir sind nicht mehr auf dem direkten Kurs. Sonntag und Montag soll wieder stärkerer Wind kommen. Der wird uns hoffentlich ein schönes Stück weiter bringen.
Position um 22:00 UTC: 38°33 N; 42°55 W
 


Donnerstag, 5. Juni, 9. Tag

Die ganze Nacht und heute bis Mittag sind wir im leichten Wind mit durchschnittlich 3 Knoten gesegelt. Nur ein Plätschern war zu hören. Das Schiff schaukelte sanft in der trägen Dünung.
Das Hoch östlich von uns bringt uns Flaute bis Samstag. Danach soll es wieder Segelwind geben. Die nächsten 24 Stunden wird also mal wieder der Motor dröhnen.
Zeit zum Aufräumen. Im Vorschiff (zurzeit Lagerraum und Gemüsekammer) haben wir nasse Stellen entdeckt. Der starke Wind vor einigen Tagen hat wohl Seewasser durch die geschlossenen Fenster gedrückt. Also trockenlegen und lüften.
Danach wurden zwei Brote gebacken. Mein Brot sieht aus wie der Ast einer Krüppelkiefer. Petras ist wieder vorbildlich gelungen.
Wieder keinerlei Schiffssichtung. Heute Abend zwei Schildkröten und große Delfine gesehen.
Position um 20:30 UTC: 38°11 N; 45°27 W


Mittwoch, 4. Juni, 8. Tag

Heute war ein schöner, ruhiger und sonniger Segeltag. Nach dem Frühstück haben wir klar Schiff gemacht. Besonders die Polster draußen im Cockpit hatten es nötig, von Salz befreit zu werden. Ansonsten ist der Tag mit schlafen, lesen, E-Mails schreiben, essen und aufs Meer schauen schnell vergangen. Eine große Schildkröte schaut uns nach. Das erste Tier in dieser endlosen Weite, außer gelegentlichen Seevögeln und einzelnen Fliegenden Fischen.
Im Laufe des Tages wurde der Wind langsam schwächer, ein Hinweis auf das nahende Hoch. Da gab es wieder viel Kommunikationsbedarf mit Carsten. Sollte es zum Segeln nicht mehr reichen, werden wir unter Motor weiter im Norden nach der günstigen Brise suchen müssen.
Position um 21:30 UTC: 37°34 N; 47°22 W


Dienstag, 3. Juni, 7. Tag

Das mit dem Ausguck sollte ernst genommen werden. Als Petra heute Mittag zum routinemäßigen Rundumblick ins Cockpit stieg, kreuzte ein Segler in 250 m Entfernung unseren Kurs. Er lief deutlich mehr Höhe und war nach 20 Min Richtung Osten verschwunden. Auf meinen UKW-Anruf kam keine Reaktion. Ein schlafender Einhandsegler? Tagelang kein Schiff zu sehen und dann eine so nahe Begegnung.
Die Zone mit kräftigen südlichen Winden haben wir offensichtlich fast überquert. Der Wind hat heute Nachmittag deutlich nachgelassen und weht nur noch mit 12 bis 17 Knoten. Angenehmes Segeln, auch wenn die Welle noch hoch ist. Donnerstag sollen wir in ein anderes Windsystem gelangen, das durch ein Hoch östlich von uns bestimmt wird. Das wird uns hoffentlich eine gute Brise bis zu den Azoren bescheren. Das motiviert für den zweiten Teil der Reise. Uns geht es gut.


Montag, 2. Juni, 6. Tag

Die letzte Nacht war nicht schön. Lang anhaltende Böen bis 28 Kn, Regengüsse, Salzwasserduschen, ruckartige Bewegungen. Heute über den Tag wieder flotte Fahrt durch ein holpriges Meer. Sonne. Es geht jetzt nach Nordwesten, um zwischen dem Tief links und dem Hoch rechts von uns die Kurve zu den Azoren zu finden.
Wir sitzen nebeneinander auf dem Salonsofa in Lee und träumen vom nächsten Hafen. Ab und zu wird ein Blick über den (fast) immer leeren Horizont geworfen. MarLena können wir nicht mehr über UKW erreichen.
Position um 21:00 UTC: 34°38 N; 50°59 W


Sonntag, 1. Juni, 5. Tag

Heute hatten wir einen sehr angenehmen Segeltag. Sonniges Wetter, 25 Grad und eine Brise von 14 bis 18 kn aus SSW bis S. Wir können weiterhin unser Ziel Flores anliegen und machen trotz stark gereffter Segel gute Fahrt (6 kn). Die Wellen sind gleichmäßig, bis auf ein paar Überraschungsklatscher und größeren Rollern. Diese besonderen aber fordern ihren Tribut. Plötzliche Salzwasserduschen im Cockpit, fliegende Gegenstände im Salon. In den letzten Tagen: ein zerschelltes Glas, ebenso ein Teller. Ein auf Schoß und Polster ergossener Becher Kaffee; ebenso ein Glas Bier. Das Zubereiten und Einnehmen von Mahlzeiten sind sowieso so eine Sache.
Dafür hat der letzte Wetterbericht von Carsten für gute Stimmung gesorgt. Flottes Segeln in den kommenden Tagen und keine Gefahr von Starkwind.
Jetzt wird es dunkel. Lichter an und warm anziehen. Die Nächte im Cockpit sind inzwischen feucht und frisch.
Position um 23:00 UTC: 33°41 N; 53°09 W.


Samstag, 31. Mai, 4. Tag

Natürlich beschäftigt uns ständig die Wetterentwicklung.
Die kommenden Tage werden weiterhin ungemütlich. Wind bis 30 kn und immer wieder Schauer. Die Windrichtung, bisher gut, wird ungünstiger. Heute Morgen kam eine dunkelgraue Wolke näher und bescherte uns Gewitter, heftige Böen und ein um ein Jahr gealtertes Vorsegel. Von unseren Nerven mal abgesehen.
Glücklicherweise hatten wir schon im Morgengrauen das dritte Reff in das Großsegel gebunden. Auch ein kleines Abenteuer. Darüber hinaus geht es uns gut. Der Gemüseeintopf hat jedenfalls geschmeckt. Die MarLena segelt weiterhin in Sichtweite. Wir können uns über UKW unterhalten.
Position um 22:00 UTC: 33°00 N; 55°52 W


Freitag, 30. Mai, 3. Tag

Das wenigeSchlafen macht sich wieder bemerkbar. Obwohl wir beide müde sind, schlafen wir nicht längere Zeit am Stück, auch wenn wir noch nicht aufstehen müssten. Abwechselnd liegen wir also die meiste Zeit des Tages in der Seekoje im Salon oder im leidlich gut gepolsterten "Außenlager" unter der Sprayhood und versuchen etwas Schlaf nachzuholen.
Heute, schon in der Nacht, kam der Regen. Die ausgiebigen Schauer zogen sich bis zum Vormittag hin. Das Cockpit musste geräumt werden und der Niedergang wurde mit Planen und Regenschirm gegen den achterlichen Regen geschützt.
Es wurde aber noch ein schöner Tag mit guter Geschwindigkeit durch eine mässig bewegte See.
Position um 20:45 UTC: 32°28 N; 58°36 W


Donnerstag, 29. Mai, 2. Tag

Letzte Nacht hat der Wind deutlich zugelegt. Das hatte mehrmaliges Reffen zur Folge. Der Wind (ca 30 kn in der Spitze) ließ sich dadurch gut kontrollieren. Die Welle aber, die sich nach einiger Zeit aufbaute, weniger. Hohe Wellenberge rollten von schräg hinten heran und machten uns das Leben an Bord ungemütlich. Auch das Schlafen war wieder mal so gut wie unmöglich. Wie auch, wenn man auf der schmalen Koje hin und her rollt und dazu dem ständigen Rauschen, Knarren und Schlagen ausgesetzt ist. Dieses Wetter hat uns auch heute den ganzen Tag begleitet. Mit Hubert (sie segeln in UKW - Distanz) haben wir Überlegungen angestellt, wie wir uns am besten durch die Flauten und Starkwindfelder um uns herum lavieren. Erst mal etwas südlich halten.
Position um 22:30 UTC: 32°25 N; 60°53 W


Mittwoch, 28. Mai, 1. Tag auf See

Heute Morgen um 10:00 Uhr (13:00 UTC) sind wir aufgebrochen. Longtime Work mit Einhandsegler Wolfgang, Mar Lena mit Farida und Hubert sind gemeinsam mit uns durch den Town Cut Kanal aus der Lagune von St. Georges hinaus auf den Atlantik gefahren. Ein sonniger Morgen und eine schöne Brise aus SW sorgten für flottes und angenehmes Segeln. Wunderbar für den ersten Tag. Zwischendurch eine Prise Ingwerpulver, ein Abschiedsgeschenk von Marlies und Oli. Uns geht es gut. Inzwischen wird es Abend. Die Welle hat zugenommen, aber das Abendessen hat trotzdem geschmeckt. Gleich bereiten wir uns auf die erste Nacht vor. Es ist Neumond und jetzt etwas bewölkt.
Position um 22:00 UTC: 32°34 N; 63°33 W

Sonntag, 25. Mai 2014

Bermudas, 25. Mai 2014



Warme Luft steht über der Bucht, auf den Nachbarbooten sieht man die ersten Aktivitäten. Dingis werden leer geschöpft (in der Nacht hat es kräftig geregnet), Frühstück wird aufgetragen, Wolfgang wäscht schon Wäsche. Nach den letzten recht windigen Tagen haben wir heute einen schön trägen und windstillen Sonntag.


In der Bucht von St. Georges liegen etwa 15 Segler, die fast alle auf das richtig Wetterfenster für die Azoren warten. Der kommende Mittwoch könnte geeignet sein.


Es war wieder typisch: das Wetter kannte offensichtlich nicht die Vorhersage. Nachdem alle Quellen uns tagelange Flauten versprochen hatten, haben wir die ursprünglich geplante Route verlassen und sind zu den Bermudas motort. Seit dem wehte der Wind konstant und kräftig aus SW. Wir hätten inzwischen wohl schon die Hälfte des Weges geschafft. Jetzt stehen wieder drei Tage Flaute an. Dann wohl die nächste Chance.


Macht nichts, oder besser, gut! Die Bermudas sind einen Besuch wert.
Ein sehr angenehm mildes Klima, tagsüber warm, abends sind eine lange Hose und ein leichter Pulli angesagt. Sehr klare Luft und eine parkartige Landschaft. Immer blitzt irgendwo das türkise Meer. Eine üppige Vegetation, ein bisschen wie Mittelmeer im Frühling.


Die Steinhäuser ausnahmslos herausgeputzt und in Pastellfarben frisch gestrichen. Die Dächer alle weiß.
Fast ein bisschen zu perfekt. Die ganze Insel lebt vom US-Tourismus.
Aller Orten sind sie zu sehen.


Mit Fähre und Bussen sind wir kreuz und quer über die Inseln gefahren und waren auch in Hamilton, einer quirligen kleinen Großstadt.



In den kommenden  Tagen müssen wir wieder unsere Vorräte aufstocken, Wasser und teures Diesel bunkern (rund 200 Liter haben wir auf dem Weg hierher verbraucht).
Dann sind wir wieder startbereit. 1800 Seemeilen bis Flores.